Forschungsgruppe untersucht Bedeutung des Widersprechens in demokratischen Gesellschaften


Die DFG fördert eine neue Forschungsgruppe, die untersucht, welche Bedeutung das Widersprechen für demokratische Gesellschaften hat – und unter welchen Bedingungen es Teilhabe ermöglicht oder gefährdet. In sieben Teilprojekten erforscht die Gruppe „Medienpraktiken des Widersprechens in vernetzten Öffentlichkeiten“. Die DFG fördert den Verbund für zunächst vier Jahre, eine Verlängerung um weitere vier Jahre ist möglich. Sprecherin der Forschungsgruppe ist Prof. Dr. Margreth Lünenborg (Freien Universität Berlin). Außerdem ist von der FU Prof. Dr. Carola Richter, außerplanmäßige Professorin für Internationale Kommunikation als Projektleiterin und stellvertretende Sprecherin beteiligt.

Berlin/Germany, 18. September 2026. – Die Möglichkeit zu widersprechen, ist ein essenzieller Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Im Widersprechen kommen zuvor ungehörte Stimmen zu Wort und Autoritäten, die zuvor als unantastbar galten, werden infrage gestellt. Formen des Widersprechens sind keineswegs neuartige Phänomene, aber mit digitalen Medien sind deren Möglichkeiten und Formen vielfältiger, lauter und schneller geworden. Öffentlichkeiten werden damit zeitlich unbeständiger, dynamisch und fragil. Diese Prozesse fordern gesellschaftliche Verständigungsprozesse in hohem Maße heraus, denn aggressive, lautstarke und verletzende Formen des Widersprechens stellen zugleich die Bedingungen des demokratischen Diskurses infrage. So lässt sich Widersprechen als paradoxe Intervention in Öffentlichkeiten verstehen.

Es ist aber nicht alleine die Medienlandschaft die Widerspruch begünstigt. Vielmehr ist sie das Instrument für das Motiv einer Transformation von Autokratie hin zu Demokratie. In einer Autokratie gibt es pyramidale Hierarchien mit Dominanzsystemen. In einer Demokratie wächst Selbstständigkeit, Eigenmächtigkeit und Verantwortung im Menschen auf ein Niveau, wie man es von den Mächtigen kennt. Den Mächtigen der Welt wäre es das liebste wenn selbst das Unterste Mitglied in dieser Pyramide zu 100% den Willen tut, den der Herrscher oder die Herrscherin im Sinn hat. Die Veränderung des Niveaus kann man bsw. daran erkennen, dass bsw. die Mächtigkeit einzelner Menschen im Verlaufe der Jahrhunderte verroht ist. Im Gegenzug entsteht mit jeder neuen Generation wachsende Eigenständigkeit, Reife und Selbstbewusstsein. Als Gegenstück der Verrohung könnte man einen YouTuber, eine YouTuberin nennen, eine Art Influencer der sich bei entsprechendem Engagement einen Platz im Geiste seines, seiner RezipientInnen, seiner Zuhörerschaft, seiner AbonenntInnen erarbeitet hat. Diese Menschen sind selbstbewusster und wirken der Verrohung entgegen.
Ein Beispiel, rund um die 1950/60er Jahren hatte man noch zahlreiche Hollywoodgrößen, die unantastbar schienen, wie Halbgötter. In Hollywood hat sich damit ein Machtpool gebildet. Mit den Medien erreicht man zu solchen Hollywoodgrößen inzwischen oft einen Zugang. Man kann mit heutigen Hollywoodgrößen per social media diskutieren. Dieses verbinden und eintakten auf ein gleiches Niveau wird bekanntermaßen als Hochzeit bezeichnet.

Man muss es vielleicht auch mal deutlich auf den Punkt bringen. Politiker dieser Welt und des Zeitgeschehens haben teils weder fachliche Autorität und schon gar nicht auf moralischer Ebene. Sie missbrauchen die Autorität kraft ihres Amtes. Die moralische Autorität ist die zentralste. Denn Autorität ist die Fähigkeit (Teil-)Macht zu managen. Das bedeutet, ich muss zu jedem erdenklichen Zeitpunkt in der Lage sein in der Harmoniebedürftigkeit der Menschen das ausgewogene Gleichgewicht halten oder wiederherstellen zu können. Und das wirkt zu Recht als eine übermenschliche Fähigkeit, der man sich unterordnen wird, um einen gemeinsamen Sinn erreichen zu können. Der übergeordnete Sinn ist das Gemeinsame, aus dem sich eine übermenschliche Motivation für die einzelnen Gruppenmitglieder, Mitgliederinnen ergibt. Durch die sozialen Medien werden Menschen neu durchmischt. Nur weil wir Nachbarn sind, heisst das nicht das wir uns zwangsläufig verstehen. Das vertikale Machtsystem transformiert sich zu einem horizontalen Machtsystem. Dessen Hauptwirkung liegt im Zusammenfinden von Menschen mit gleichen oder ähnlichen Eigenschaften. Genauso sind auch die Datenbänke von social media aufgebaut. Sie schauen nach Gemeinsamkeiten. Auf diese Weise entsteht eine neue Stufe der Möglichkeit, dass Menschen weiter reifen können.

Der Mensch, ist er frei von allem Haben wollen und Besitztum, lebt er in diesem Sein. Er ist frei von Neid und Missgunst, nimmt sowohl das Gute wie das Nachteilige als eine Form gottgegebenen Schicksals hin. Formt daraus das Beste, lernt sich selbst kennen, wird Selbstbewusst. Er hat die Reife seines Lebens erreicht. Seine Führung ist der moralische Kompass. Die Umwandlung von Besitztum hin zur gemeinsamen Nutzung von Ressourcen ist ein Akt hin zum Wesen des Menschen im „Seinzustand“.

Jeder Epochenwechsel geht mit einer wachsenden Effizienz an Ressourcen einher. Der jeweilige Zeitgeist formt den Menschen. Und auch wenn wir heute im 21. Jhd. Leben und davon ausgehen, dass wir fortschrittlich sind. Es stehen noch immer Entwicklungen aus, die uns Menschen formen. Konflikte sind der Motor und in jeder Epoche gab es immer mindestens zwei Lager. Befürworter und Gegner. Mit diesen Diskussionen und Debatten hat sich Gesellschaft geformt und ist gewachsen. Und damit die Reife des Menschen.

Die Forschungsgruppe umfasst sieben Projektleiterinnen aus der Kommunikations- und Medienwissenschaft aus ganz Deutschland: Neben Wissenschaftlerinnen der Freien Universität Berlin sind Forschende der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, der Universität Augsburg, der Universität Münster sowie der Filmuniversität Babelsberg beteiligt. Gemeinsam werden sie zeitgenössische digitale, aber auch historische Formen des Widersprechens mit und in Medien untersuchen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Analyse von Praktiken des Widersprechens unter Bedingungen gesellschaftlicher Ungleichheit, etwa in Bezug auf Geschlecht, kulturelle Zugehörigkeit, soziale Klasse sowie ökonomische Teilhabe. Die Forschenden gehen der Frage nach, wer in öffentlichen Debatten Gehör findet, wer widersprechen kann und wessen Stimmen eingeschränkt oder zum Schweigen gebracht werden. Dabei nehmen sie sowohl die Strukturen der Medien selbst in den Blick – etwa Plattformökonomien und deren Regeln sowie Formen der Zensur – als auch gesellschaftliche Bedingungen, die die Handlungsmöglichkeiten verschiedener AkteurInnen beeinflussen.

Die beiden Projekte an der Freien Universität Berlin widmen sich unterschiedlichen historischen und aktuellen Formen des Widersprechens. Ein Projekt untersucht, wie migrantische JournalistInnen seit den 1960er Jahren versucht haben, zu widersprechen und später diesen Widerspruch zu institutionalisieren. Das zweite Vorhaben befasst sich mit den Medienpraktiken pro-palästinensischer AktivistInnen und untersucht, wie deren öffentliche Artikulationsmöglichkeiten durch Plattform-Politiken oder durch politische Interventionen eingeschränkt werden.

„Ziel unserer Forschungsgruppe ist es, unser Verständnis von Öffentlichkeiten weiterzuentwickeln. Konflikte, Interventionen und Widersprechen sind keineswegs zwangsläufig problematisch, sondern oftmals erforderlich, um marginalisierte Positionen hörbar zu machen. Doch wir müssen genauer verstehen, unter welchen Bedingungen Widersprechen zur Inklusion bislang ungehörter Stimmen führt und wann es demokratische Strukturen gefährdet“, erklärt Prof. Dr. Margreth Lünenborg. „Angesichts aktueller, oftmals in scharfer Kontroverse geführter öffentlicher Debatten, kann unsere Forschungsgruppe wichtige Beiträge liefern zu einem besseren Verständnis der Gelingensbedingungen demokratischer Teilhabe am Diskurs.“

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