Arbeit am Webstuhl

Forschung für nachhaltige Schuhe und Textilien


Für die Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes in Schuhe und Textilien hat die TU Berlin über das EU-Projekt über vier Millionen Euro eingeworben. Nun soll das Projekt STEPH umgesetzt werden.

Berlin/Germany, 4. Februar 2026. – Vor allem Schuhe und Textilien sollen in der Europäischen Union nachhaltiger werden. Ein Ziel des Forschungsprojektes am Fachgebiet Innovationsökonomie von Prof. Dr. Knut Blind an der TU Berlin, geleitet von Dr. Luana Ladu. Das Projekt mit dem Namen STEPH für „STrengthening Ecodesign pathways with performance assessment Parameters for Home textiles and footwear“ findet im Rahmen des EU-Programms „Horizon Europe“ statt und bringt mehr als 15 Partner aus Europa zusammen, ist über eine Laufzeit von drei Jahren geplant ist. Das Budget liegt bei mehr als vier Millionen Euro. Mit dem Projekt soll nicht nur die EU-Verordnung, die mit 18. Juli 2024 in Kraft getreten war, umgesetzt werden, vielmehr sollen Kommunen, Unternehmen und Haushalte dabei unterstützt werden, die Leistungen der Kreislaufwirtschaft besser und nachhaltiger zu verstehen. Sie sieht auch vor Produkte zukünftig nachhaltiger und umweltgerechter zu gestalten.

Verbraucher sollten selbst in der Möglichkeit der Wahl stehen welche Produkte bevorzugt zu wählen sind, dennoch ist allgemein die Tendenz zu Nachhaltigkeit und umweltgerechten Produktentwicklung und Kreislaufwirtschaft gewünscht. Allem voran geht jede weitere Generation, schon aufgrund dessen das deutlich Schäden durch die bestehende Systematik erkennbar sind, mit den Ressourcen noch ein Stück mehr in die Nachhaltigkeit.
„Die Umsetzung der ESPR steht vor großen Herausforderungen. Den Verbrauchern fehlen klare Informationen zur Nachhaltigkeit, die Hersteller sind sich über die Vorschriften unsicher, und die Behörden benötigen bessere Instrumente, um die Nachhaltigkeit von Produkten zu überprüfen“, erklärt Luana Ladu. Luana Ladu ist eine der Initiatorinnen und hat um das Projekt geworben.
„Um diese Probleme zu lösen, brauchen wir zuverlässige Daten, einfache und einheitlichere Bewertungsmethoden sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen allen an der Umsetzung der ESPR beteiligten Akteuren. STEPH wird dazu beitragen, diese Lücken zu schließen und die nächsten Schritte der ESPR für alle leichter umsetzbar zu machen.“

STEPH konzentriert sich dabei speziell auf Heimtextilien (wie Bettwäsche, Handtücher und Vorhänge) und Schuhe – zwei Produktgruppen, die eine wichtige Rolle im täglichen Leben der Menschen spielen und einen erheblichen ökologischen Fußabdruck haben, aber noch nicht vollständig von den kommenden EU-Ökodesign-Vorschriften abgedeckt sind. Das Ziel ist es, Produkte so zu gestalten, dass ihre Umweltauswirkungen während ihres gesamten Lebenszyklus reduziert werden – von den Rohstoffen über die Herstellung bis hin zu Verwendung, Wiederverwendung und Recycling.

Bei Heimtextilien sind es bsw. Waschen, Verschmutzung, UV-Strahlung und der Kontakt mit chloriertem Wasser bis hin zu komplexeren Belastungen die noch unzureichend erforscht und verstanden sind. Veredelungsbehandlungen, Mischfasern trennen als auch Verunreinigungen machen den Recyclingprozess zur Herausforderung.
Schuhe werden in ihrer Tauglichkeit auf Kreislaufwirtschaftsfähigkeit noch weitgehend im Labor geprüft. Reale Bedingungen wie Abnutzung, Biegung, Umwelteinflüsse oder Nutzerverhalten können dabei allerdings nur begrenzt berücksichtigt werden. Gerade die Materialkomplexität von Schuhen, die meist aus mehreren Materialien und mit geklebten Konstruktionen aufgebaut sind, erschwert das Recycling zusätzlich.

Im Mittelpunkt von STEPH steht die Entwicklung und Erprobung klarer, messbarer Nachhaltigkeitsparameter, mit denen bewertet werden kann, wie „kreislauffähig” und umweltfreundlich die Produkte sind. Mindestens 20 Ökodesign-Parameter und zehn Testmethoden sollen entwickelt und validiert werden. Mehr als 800 Unternehmen, zehn Marktüberwachungsbehörden und rund 3.000 Stakeholder werden durch Konsultationen, Workshops und Schulungsmaßnahmen einbezogen. Unter den 15 ProjektpartnerInnen sind unter anderem der Hersteller Deichmann, der Textilindustrieverband TEXFOR, die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), das Deutsche Institut für Normung (DIN), die italienische Agentur zur Förderung der europäischen Forschung (APRE), das schwedische Forschungszentrum RISE, das Zertifizierungsunternehmen RINA-C sowie die Nichtregierungsorganisation ECOS.

„Der Lehrstuhl für Innovationsökonomie verfügt über langjährige Erfahrung in der Leitung von Horizon-Projekten mit Schwerpunkt auf Kreislaufbioökonomie und Nachhaltigkeitswandel. Dabei geht es uns immer darum, wie Standards, Zertifizierungen und politische Instrumente den Übergang zu nachhaltigeren Produktions- und Verbrauchssystemen wirksam unterstützen können“, erklärt Knut Blind. Am Projektende von STEPH werde es klare Regeln, Testmethoden und benutzerfreundliche digitale Lösungen geben, die es Unternehmen erleichtern, nachhaltigere Heimtextilien und Schuhe zu entwerfen. „Gleichzeitig liefern wir politischen Entscheidungsträgern und Normungsgremien die notwendigen Erkenntnisse, um künftige EU-Ökodesign-Anforderungen zu gestalten.“

Neben STEPH ist der Lehrstuhl für Innovationsökonomie auch Partner des neu bewilligten Horizon Europe-Projekts CIRCONOMY (Unlocking the potential of circularity with smart indicators), das von der italienischen Online-Universität Unitelma Sapienza koordiniert wird. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Entwicklung einfacher, praktischer Indikatoren und digitaler Tools, die Kommunen, Unternehmen und Haushalten helfen, die Leistung der Kreislaufwirtschaft besser zu verstehen und zu messen. Während sich STEPH auf die Nachhaltigkeit auf Produktebene in bestimmten Sektoren konzentriert, ergänzt CIRCONOMY diese Arbeit, indem es eine bessere Entscheidungsfindung und Verhaltensänderungen in der gesamten Gesellschaft ermöglicht.

Weitere Informationen:

https://commission.europa.eu/energy-climate-change-environment/standards-tools-a… EU-Verordnung über die umweltgerechte Gestaltung nachhaltiger Produkte (ESPR)

Bildquelle
Timor Pixabay

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