Studie zeigt: Während Frauen im Durchschnitt als attraktiver angesehen werden, gibt es eine unerwartet große Gruppe besonders attraktiver Männer. Gesichter von Frauen werden über Kulturen, Altersgruppen und sexuelle Orientierungen hinweg als attraktiver bewertet als Gesichter von Männern. Dieser als „Gender Attractiveness Gap“ (GAP) bezeichnete Effekt wurde kürzlich in einer groß angelegten Studie unter Leitung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) in Frankfurt am Main nachgewiesen. Ein neuer Beitrag in der Fachzeitschrift Current Opinion in Psychology nimmt die zugrunde liegenden Daten nun genauer in den Blick.
Frankfurt a.M./Germany, 8. September 2026. – Bei Frauen ist die Attraktivitätsbewertung weitgehend normalverteilt. Das bedeutet, der Großteil der Bewertungen gruppiert sich symmetrisch um einen Mittelwert. Bei Männern zeigt sich hier eine Abweichung von der Normalverteilung. Am oberen Ende der Verteilung sind überproportional viele, besonders attraktive Männer.
„Der Durchschnitt erzählt nur einen Teil der Geschichte“, sagt Alleinautor Eugen Wassiliwizky vom MPIEA. „Obwohl männliche Gesichter insgesamt niedrigere Attraktivitätsbewertungen erhalten, erkennen wir überproportional viele besonders attraktive Männer. Männliche Schönheit gibt es also durchaus, sie ist nur möglicherweise anders verteilt.“
Seit Jahrtausenden wird männliche Schönheit förmlich zelebriert, was sich bekannter massen in der Bildhauerei zeigt, aber auch bis hin zur aktuellen Popkultur. Allerdings greifen, laut der Studie diese Darstellungen nur die Männer auf, die besonders Attraktiv erscheinen, vom äußersten oberen Rand der Verteilung.
Die Forschenden verwenden Bewertungen für Gesichtsattraktivität als Indikatoren für Partnerinnen- und Partnerpräferenzen, sexuelle Anziehung oder den „Mate Value“. Der Mate Valu ist ein Wert für die Wahrnehmung potenzieller Partner, die optimalste Ausbeutung bei der Partnerwahl oder maximale Anpassungsmöglichkeit unter den gegebenen Umständen und Möglichkeiten. Der Gender Attractiveness Gap (GAP) bleibt aber nicht auf Basis potenzieller Partnerinnen oder Partnerwahl. Die Studie hat gezeigt das der GAP dann besonders stark ausgeprägt ist, wenn heterosexuelle Frauen weibliche Gesichter bewerten. Frauen bringen für den Nachwuchs Fruchtfleisch und das mit was für die Versorgung des Nachwuchses erforderlich ist, mit. Aus biologischer Sicht kommt damit die Sinnlichkeit in die Welt. Die Schlussfolgerung würde dann den GAP bestätigen, das der GAP bei heterosexuellen Frauen gegenüber Frauen am stärksten ist.
„Seit Jahrzehnten fragen wir Menschen, wie attraktiv sie ein Gesicht finden, und interpretieren die Antwort im Hinblick auf PartnerInnenpräferenzen“, erklärt Wassiliwizky. „Der GAP zwingt uns jedoch zu einer grundsätzlicheren Frage: Was beurteilen Menschen eigentlich, wenn sie diese Frage beantworten?“
Der neue Fachbeitrag argumentiert, dass Attraktivitätsurteile möglicherweise ein breiteres System ästhetischer Bewertung widerspiegeln – und nicht allein sexuelle Anziehung. Diese Perspektive könnte auch die Art und Weise verändern, wie Attraktivität künftig untersucht wird. Forschende, die sich speziell für sexuelle Anziehung interessieren, könnten diese direkter erfassen. Gleichzeitig könnten Bewertungen von Personen des eigenen Geschlechts wertvolle Einblicke darüber liefern, wie Menschen Schönheit insgesamt wahrnehmen und beurteilen.
Originalpublikation:
Wassiliwizky, E. (2026). What Are We Measuring When We Measure Attractiveness? Current Opinion in Psychology, 73, 102416. https://doi.org/10.1016/j.copsyc.2026.102416
Bildquelle
Frauen sind im Durchschnitt attraktiver, doch männliche Schönheit hat eine überraschende Besonderheit. Copyright: MPI für empirische Ästhetik / Eugen Wassiliwizky
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