Kakadus im Labortest, Verhaltenspsychologie, tayosuna, Universität Wien

Anzeichen von Körperbewusstsein


Was passiert, wenn das Hindernis der eigene Körper ist? Forschende des Messerli Forschungsinstituts (MFI) der Vetmeduni zeigen erstmals bei Vögeln, dass Goffinkakadus ihren eigenen Körper als Hindernis erkennen: In einem „Körper-als-Hindernis“-Test traten die Tiere zur Seite, wenn ihr eigenes Gewicht eine Aufgabe blockierte. Die Ergebnisse deuten auf eine handlungsbezogene Form der Selbstrepräsentation hin und erweitern das Verständnis von Selbstwissen über Artgrenzen hinweg.

Wien/Austria, 18. September 2026. – Eine Studie des MFI an der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersucht Selbstrepräsentation durch Handlung an 15 Goffinkakadus. Um das Selbst von Tieren zu erforschen wird, wie es einst beim Menschen auf gleiche Weise geschah, ein Spiegel verwendet. Neu hingegen könnte das Thema Problemlösung sein, das sich inzwischen ebenfalls in den Mittelpunkt der Menschheitsgeschichte stellt. In einem solchen Spiegel-Markierungstest bringt ein Tier seinen eigenen Körper in den Zusammenhang und nutze den Spiegel um eine versteckte Markierung zu inspizieren. Die Autoren der Studie, Paula Hundegger und Studien-Co-Autor Antonio J. Osuna-Mascaró.

Im ersten „Körper-als-Hindernis“-Test erkannten die Kakadus, wenn ihr eigenes Gewicht sie an der Lösung einer Aufgabe hinderte und gingen zur Seite!
„Wahrscheinlich müssen alle Tiere sich in der einen oder anderen Weise selbst repräsentieren“, sagt Antonio J. Osuna-Mascaró. „Wie Frans de Waal einst argumentierte, muss ein Affe wissen, ob ein Ast sein Gewicht trägt, bevor er darauf landet, oder ob er die Stärke und Fähigkeiten hat, einen Kampf zu gewinnen, bevor er einen anderen herausfordert. Der Spiegeltest erfasst eine Dimension des Selbstwissens (das visuelle Erscheinungsbild) innerhalb eines viel breiteren Spektrums, das Geruch, Größe, Position, Gewicht und andere Merkmale umfasst, die Tieren helfen, physische und soziale Herausforderungen zu bewältigen.“
Das Homunkulus ist eine bildhafte Darstellung davon, wie sich der Mensch in sich selbst abbildet – Repräsentation. Im Verlauf der Evolution wird diese Ausprägung zunehmend feiner und genauer und damit auch sensibler (1). Mit wachsendem Wissen bildet sich mehr ab. Dabei wird das Gehirn nicht größer, sondern verdichtet sich. Die Vernetzung, die Verknüpfung wächst. Wenn Menschen also regelmässig darstellen das jede Generation sinngemäss sensibler sei, dann entspricht das einer aufmerksamen Beobachtungsgabe. Allerdings wird es bedauerlicherweise in den häufigsten Fällen als negativ kommentiert.


Im Test hatten die Vögel gelernt, auf die Aufforderung „Gib mir“ eine kleine Kugel aufzunehmen und einer Versuchsperson zu übergeben. Die Kugel war mit einer Matte verbunden, die sich unter den Füßen des Kakadus befand. Beim Ziehen an der Kugel bewegte sich die Matte. Das Eigengewicht des Vogels fixierte die Matte unter sich. Der Kakadu musste daher von der Matte herabsteigen und die Übergabe neben der Matte fortsetzen.
Weiterhin wurden zwei Kontrollbedingungen eingesetzt. Wobei es zum Test kam, wie die Vögel auf ihr eigenes ursächliches Problem reagierten. Daher war im Referenzfall die Kugel nicht befestigt und konnte gewöhnlich an die Testperson übergeben werden. Im anderen Fall war die Kugel am Tisch fixiert. Die zweite Anordnung erzeugte Widerstand. Das Verlassen der Matte hatte allerdings keinen Einfluss auf das Hindernis, was vorausgehend getestet wurde. Zuvor bestätigte sich in einem Test, dass Bewegungen unter den Füßen der Vögel nicht dazu führten zur Seite zu gehen.

Im Ergebnis

„Die Lösung entfaltete sich oft in einer sehr klaren Abfolge“, sagt Paula Hundegger. „Ein Kakadu nahm die Kugel auf, spürte den Widerstand, stieg von der Matte und vollendete die Übergabe. Dieses Muster sahen wir bereits in der ersten Sitzung.“

Selbstrepräsentation – Wenn der Körper im Weg ist


Die „Körper-als-Hindernis“-Aufgabe nahm ihren Anfang in Studien mit Kleinkindern. In einer Version versucht ein Kind, eine Matte zu übergeben, während es darauf steht. Kinder beginnen im Allgemeinen im zweiten Lebensjahr damit, solche Probleme zu lösen – etwa zu der Zeit, in der auch die Selbst­erkennung im Spiegel auftritt. Die beiden Aufgaben zeigen jedoch nur geringe Zusammenhänge, und kulturvergleichende Studien haben unterschiedliche Entwicklungsverläufe festgestellt. Das deutet darauf hin, dass sie unterschiedliche Aspekte der Selbstrepräsentation erfassen.

Später wurde die Aufgabe für Asiatische Elefanten, Hunde, Schimpansen und Gorillas adaptiert. Elefanten zeigten Evidenz sowohl im Spiegel- als auch im „Körper-als-Hindernis“-Test. Hunde bestehen die „Körper-als-Hindernis“-Aufgabe, obwohl sie in konventionellen Spiegeltests scheitern. Auch Schimpansen und Gorillas schnitten in „Körper-als-Hindernis“-Tests gut ab, ohne klaren Zusammenhang zu ihren Reaktionen auf Spiegel.

Goffinkakadus fügen diesem vergleichenden Bild den ersten avianen (Lat. Avia = Vogel) Befund hinzu. Diese hochgradig innovativen Papageien erkunden Objekte intensiv mit Schnabel, Zunge und Füßen. Ihre taktile, handlungszentrierte Art der Auseinandersetzung mit der Welt macht sie zu starken Kandidaten für Tests, die auf Körper-Umwelt-Beziehungen beruhen. Frühere Experimente konnten in dieser Art keine konventionelle Spiegel-Selbst­erkennung nachweisen, wobei die Forschenden allerdings einige mögliche Kontingenzprüfungen beobachteten.

„Wir lernen, wie Selbstrepräsentation bei sehr unterschiedlichen Arten von Geist untersucht werden kann“, sagt Osuna-Mascaró. „Das entstehende Bild ist modular: Verschiedene Arten stützen sich auf die Formen des Selbstwissens, die für ihre Art der Fortbewegung und des Handelns am wichtigsten sind.“

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Kakadus sensibel für ihre eigene ursächliche Rolle in einem physikalischen Problem waren. Die Forschenden betonen, dass die Befunde nicht als Hinweis zu verstehen sind, dass Kakadus ein menschenähnliches, reflektiertes Selbstkonzept besitzen. Ihre Art der Selbstrepräsentation wird wahrscheinlich durch die physischen und sozialen Herausforderungen geprägt, denen sie ausgesetzt sind. Die Resultate tragen zu der Evidenz bei, dass Selbstrepräsentation aus mehreren Komponenten bestehen kann, die sich je nach Art unterschiedlich ausdrücken und am besten mit komplementären Methoden untersucht werden, die an die jeweilige Wahrnehmung und Handlungsmöglichkeiten der Tiere angepasst sind.

„Anstatt Selbstbewusstsein als einzelne Schwelle zu behandeln, können wir fragen, welche Informationen Tiere über sich selbst nutzen, unter welchen Umständen und zu welchem Zweck“, fügt Osuna-Mascaró hinzu. „Die Erprobung des ‚Körper-als-Hindernis‘-Paradigmas bei Vögeln fügt diesem weitaus größeren Puzzle ein neues Teil hinzu.“

Hinweis: Die Studie wurde durch das START-Projekt Y 01309 und das PI-Projekt PAT2728324 des Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) zugunsten von Alice M. I. Auersperg finanziert.



Originalpublikation:

Der Artkel „Body awareness in Goffin’s cockatoos (Cacatua goffiniana)“ von Paula Hundegger, Remco Folkertsma, Rachel Dale, Alice M. I. Auersperg und Antonio J. Osuna-Mascaró wurde in Scientific Reports veröffentlicht.
https://www.nature.com/articles/s41598-026-57500-7

Weitere Informationen:

https://www.vetmeduni.ac.at

1 Wie das Gehirn lernt
http://de.gate-communications.com/wie-das-gehirn-lernt/

Wie das Gehirn Fehler zum Umlernen nutzt
http://de.gate-communications.com/wie-das-gehirn-fehler-zum-umlernen-nutzt/

Bildquelle

tayosuna, Universität Wien

Videoquelle
tayosuna, Universität Wien, Selbstrepräsentation – Wenn der Körper im Weg ist
(https://youtu.be/C43dWhKkKfA?si=cYYQ9FCwWo-drIoh)

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