Insolvenztrend: Firmenpleiten auch im Juli auf sehr hohem Niveau


Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer aktuell veröffentlichten Analyse feststellt, ist die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Juli nahezu unverändert geblieben. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze ging leicht zurück, liegt aber weiterhin deutlich über dem Vor-Corona-Niveau. Die Frühindikatoren deuten auch für die kommenden Monate auf sehr hohe Insolvenzzahlen hin. In Österreich ist der Trend hingegen rückläufig.

Halle/Saale/Germany, 6. August 2026. – Während die Firmenpleiten im Juli in der BRD auf hohem Niveau stehen, sind sie in Österreich im 2. Quartal rückläufig. Laut IWH-Insolvenztrend-Barometer liegen die Zahlen der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Juli bei 1689. Zwar 1% weniger als im Juni, dennoch um satte 7% mehr als im Vergleichsmonat ein Jahr zuvor, 2025. Laut Statistik Austria ist der Trend, wenn auch nicht unmittelbar zu vergleichen, umgekehrt. Die Pleiten gingen gegenüber dem Vorjahr von April bis Juni 2025 um 3% zurück. Die meisten Insolvenzen finden sich im Dienstleistungsbereich, Handel und der Baubranche wie Statistik Austria berichtet.

Das Statistische Bundesamt Deutschlands veröffentlicht hierzu keine Informationen. Diesen Teil übernimmt das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Das Institut berichtet von den höchsten bisher jemals erfassten Pleiten in unternehmensnahen Dienstleistungen, sowie im Bereich der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Im Gastgewerbe hingegen waren die Insolvenzen ungewöhnlich gering.

Die KMUs, Klein- und Mittelständischen Unternehmen werden in sehr vielen Volkswirtschaften weltweit, auch der in Lateinamerikanischen oft als Rückgrat der Wirtschaft bezeichnet. Denn sie machen meist mehr als 80 bis 90% der Wirtschaftsleistung aus, und beinhalten damit auch sehr viele Arbeitsplätze. Die großen Arbeitgeber sind daher deutlich weniger. Schließungen oder Massenentlassungen verfehlen ihre Wirkungen dennoch nicht, wenn große Arbeitgeber Massenentlassungen ankündigen, wie es in den letzten Monaten oft berichtet wurde. Sie führen häufig zu erheblichen Einschränkungen in Einkommen und gefährden Existenzen erheblich. Nach dem IWH-Insolvenztrend waren im Juli in den größten 10% der insolventen Unternehmen mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten liegt damit bei 26% über dem des Vorjahresmonats.

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen in der Regel zwei bis drei Monate vorauslaufen. Im Mai und Juni hatten sich die Frühindikatoren auf hohem Niveau eingepegelt. Im Juli erreichten sie einen neuen Höchstwert und lagen nochmals leicht über dem bisherigen Rekordwert aus dem Juli 2025. Die hohe Zahl von 23 Werktagen im Juli dürfte zum Rekordwert beigetragen haben.

„Die lange Krise hat offenbar die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. „Die Marktbereinigung hält unvermindert an. Auch in den Folgemonaten ist deshalb mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen.“

Die amtliche Statistik zu den Unternehmensinsolvenzen erfasst zusätzlich zu den im IWH-Insolvenztrend erfassten Personen- und Kapitalgesellschaften auch die gesamtwirtschaftlich wenig relevante Gruppe der Kleinstunternehmen. Die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften macht weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen und etwa zwei Drittel der Unternehmensinsolvenzen aus. Die prozentualen monatlichen Veränderungen bei den Regelinsolvenzen und den Unter-nehmensinsolvenzen können sich aufgrund der Vielzahl gesamtwirtschaftlich unbe-deutender Insolvenzfälle deutlich von denen der Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden.

Mehr zur IWH-Insolvenzforschung und zur Methodik hinter dem IWH-Insolvenztrend: www.iwh-halle.de/insolvenzforschung.

Weitere Informationen:

https://www.iwh-halle.de/forschung/daten-und-analysen/iwh-insolvenzforschung IWH-Insolvenzforschung

07.08.2026 Weniger Firmenpleiten im 2. Quartal 2026 in Österreich

https://www.statistik.at

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