Common Marmoset (Callithrix jacchus) at a reforested area in REGUA, Brazil. Von http://www.birdphotos.com - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18498234

Kommunikative Interaktion im Gruppenverhalten


Was sind die Grundlagen menschlicher Sprache und welche Ähnlichkeiten gibt es in Kommunikationssystemen anderer Primaten? Diesen Fragen gehen Forschende weltweit seit Jahrzehnten nach. Eine neue Studie der Universität Osnabrück liefert nun weitere Hinweise: Das Forschungsteam untersuchte die Kommunikation freilebender Weißbüschelaffen in Nordostbrasilien, eine Primatenart, die ähnlich wie der Mensch ihre Jungen kooperativ aufzieht. Es stellte fest, dass die Tiere mehrere grundlegende Merkmale menschlicher Gesprächsorganisation aufweisen. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Osnabrück/Germany, 23. Juli 2026. – Sofern Ähnlichkeiten oder ähnliche Eigenschaften zu erkennen sind, werden oft Vergleiche zwischen Menschen und Tiere verwendet. Und auch wenn die Verhältnisse nicht ganz zutreffend scheinen, gelten solche Vergleiche oft auch als Brückenspender, Inspiration und damit Hinweise auf das Einnehmen anderer Perspektiven auf eine Sache. Im Falle einer Studie um Weißbüschelaffen zeigt sich das kooperative Verhalten der Gruppe ist ausschlaggebend wie sich die Sprachentwicklung, die das künftige Sozialverhalten prägt, formte. In einer Studie wurden Gruppen von Weißbüschelaffen auf ihr Sozialverhalten hin untersucht.

„Unsere Analysen zeigen, dass Weißbüschelaffen ihre Lautäußerungen nicht zufällig austauschen, sondern nach klaren Regeln kommunizieren“, sagt Erstautorin Dr. Filipa Abreu von der Universität Osnabrück und der Universidade Federal Rural de Pernambuco, Recife, Brasilien. Das Forschungsteam untersuchte vier benachbarte Gruppen und konnte 1245 Lautinteraktionen, die zwischen den Tieren erfolgten aufzeichnen. In der Auswertung lies sich feststellen, Weißbüschelaffen führen meist längere Gespräche, wobei sich die Tiere abwechseln und häufig denselben Ruftyp wie ihre Interaktionspartner verwenden.
Ruf- und Kommunikationsmuster unterschieden sich darin, ob die Tiere Mitglieder der eigenen Gruppe waren oder ob diese mit Tieren einer anderen Gruppe kommunizierten.

„Die Ergebnisse sprechen dafür, dass diese kooperative Affenart ihre Lautäußerungen flexibel an ihre Gesprächspartner und die Gruppenzugehörigkeit anpasst“, so Simone Pika und Filipa Abreu.
Dieser Fall ist bei kooperativem Verhalten mit Menschen vergleichbar. Die Kommunikation der Primaten weist dabei deutlich auf Ähnlichkeiten hin, die bei Menschen beobachtbar sind. Zeitgleich zeigt sie aber auch die erheblichen Defizite bei Menschengruppen. Würde in einer Gruppe im Hinblick auf gemeinsame Ziele und Narrative klare Einigung herrschen, dann fällt die Sozialisierung, Kultivierung, Kommunikation und kooperatives Verhalten in der Gruppe leicht.

Wenn Teams oder Gruppen Ziele haben, Werte die der Gruppenzughörigkeit zugeordnet sind, und einem Narrativ folgen, dann sind die einzelnen Worte und ihre Bedeutungen auf die Beziehungen gerichtet, während im „Hinterkopf“ das Narrativ und die damit verbundenen Werte stehen, denen man sich gewöhnlich unterordnet (1). Weil sich Ressourcennutzung und Optimierung, das Bedürfnis nach Wachstum und Effizienz durch das menschliche Bewusstsein zieht, Arbeitet man oft, zumindest im beruflichen Alltag zusätzlich mit Kennzahlen und treibt damit Kultivierung voran. Analoge Werte, Werte zwischen Kennzahlen und Kultivierung bzw. Emotionaler Einbindung werden durch Scorecards möglich.

Zwischen Autokratie und Demokratie

Bei Führung unterscheidet man gewöhnlich Autoritär, demokratisch bzw. kooperativ oder Laissezz-faire. Eine Gruppe von Menschen benötigt eine Form der Dynamik, weil zum einen die Lebensweisen durchaus verschieden sein können, auch dann wenn erhebliche Ähnlichkeiten bestehen. Darüber hinaus wollen individuelle, aber auch Gruppenbedürfnisse befriedigt werden. Jemand der nicht bereit ist seine Meinung oder Haltung in Frage zu stellen, passt entweder nur in ein Team solcher gleichgesinnter Menschen, oder aber der Kreis der akzeptierenden mindert sich im Verlauf der Zeit und damit die eigenen Chancen in Teams oder Gruppen unanstösslich zu sein.
Wenn zwei Parteien in der Lage sind sich einigen zu können und beiderseitig werden Bedürfnisse befriedigt, dann mindern sich Reibungsverluste. Das Wachstum, der Verlauf in der Gruppe wächst. Der Kommunikationspsychologe Watzlawick hat zwei Axiome entdeckt, die hier zutreffend sind.
Zum einen, Gesprächsverläufe haben immer die Tendenz aus dem sachlichen in die Beziehungsebene zu erodieren. Gegenwärtig in der Weltpolitik zu beobachten. Sofern Politiker ihren Wunsch nicht durchsetzen können, ihr Werkzeugkasten an geeigneten Argumenten gering scheint, greifen sie ihre Gegenüber mit persönlicher Entwertung an. Bzw. nehmen Einschüchterungsversuche in Verbindung mit Gewaltandrohung vor. Und Gewalt bedeutet, so Hannah Arendt einmal bereits Machtverlust.

Ein weiteres Axiom von Watzlawick, die Interpunktion von Gesprächsverläufen. Würden Gesprächspartner sich an jeder Einzelnen Aussage aufreiben, was zwangsläufig oft bei neurotischen Menschen vorkommt und es gäbe keine ausreichende, ausgleichende Dynamik, wäre weder ein Gesprächsfluss möglich, noch Wachstum in der Gruppe. Weiterhin interpretiert der Philosoph Byung-Chul Han seinen Kollegen Nicolas Luhmann mit den Sinngemässen Worten, das Macht auf der untersten Ebene viel zu unkonkret sei. In diesem Falle zeigt sich das Unkonkrete spätestens an der Interpunktion, also die Folge des gesprochenen, wechselseitigen Dialogs. Eine optimale Lösung stellt sich durch die Darstellung der Weißbüschelaffen dar. In dem Erziehung durch Kommunikation und Sprache vollzogen werden kann, wiederholende Muster führen dazu das heranwachsende Muster erkennen und entdecken können (2). Das Aufwachsen, Kultivieren, Erziehung und sich einigen ist in kleineren Gruppen damit ein grosser Vorteil.

Die Studie über die Kommunikation von Weißbüschelaffen konnte das gesamte Lautrepertoire freilebend und in seiner natürlichen sozialen Interaktion betrachten. Auf diese Weise konnte ein umfassendes Bild kommunikativer Fähigkeiten sowie neue Ansatzpunkte für die evolutionäre Erforschung der Sprache ermöglicht werden.

Die Studie entstand unter der Leitung von Prof. Dr. Simone Pika vom Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück und in Zusammenarbeit mit Nicola Schiel von der Universidade Federal Rural de Pernambuco und Antonio Souto von der Universidade Federal de Pernambuco, Recife, Brasilien.

Originalpublikation:

https://www.nature.com/articles/s41598-026-60403-2?utm_source=rct_congratemailt&utm_medium=email&utm_campaign=oa_20260702&utm_content=10.1038/s41598-026-60403-2

1 Wann man sich besser trennt oder verbindet, finanzielle Anreize als Motiv, 2025
http://de.gate-communications.com/wann-man-sich-besser-trennt-oder-verbindet-finanzielle-anreize-als-motiv/

2
Kinder muss man nicht korrigieren, sie korrigieren ihre Fehler von alleine.
Selbiges gilt für ältere Lernende. Wenn das korrekte Vorbild immer wieder gehört wird, korrigiert es sich weit besser, schneller und effektiver als jemand anderes es könnte.
Jede Kritik am Individuum drückt auf das Selbstwertgefühl, hemmt die Eigenkorrekturfähigkeit. Korrekturen fördern Störungen im Sprachgebrauch und Unlust an kommunikativen Ausdruck.
Sprache bestimmt wie wir unsere Wirklichkeit wahrnehmen.
Sprache und Kommunikation bestimmt wie differenziert wir über unsere Welt nachzudenken in der Lage sind. Uns fehlen sozusagen die Worte. An guten Vorbildern wird man Lust empfinden und sich selbst zu korrigieren wissen.

Vera F. Birkenbihl
Birkenbihl, Vera Felizitaz; Sprachenlernen leichtgemacht! – Die Birkenbihl-Methode zum Fremdsprachen lernen; 24. Auflage, 11. Auflage 2001, Landsberg am Lech; mvg Verlag

Demut als prekäre Tugend, 2025
http://de.gate-communications.com/demut-als-prekaere-tugend/

Bildquelle
Common Marmoset (Callithrix jacchus) at a reforested area in REGUA, Brazil. Von http://www.birdphotos.com – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18498234

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