Ein Kontext für eine egalitäre Gesellschaftsordnung


Matrizentrische Organisationsformen

An der Stelle wo sich verschiedene Gattungen paaren muss nun auch eine Organisationsform entstanden sein, die man als matrizentrisch bezeichnet (Evolution und Wachstum, 2021). Archäologische Funde belegen, das anders als in bisherigen Geschichtsbüchern, die Evolution des Menschen bereits vor 3 Millionen Jahren begonnen habe (Vgl. Lucy hatte ein affenähnliches Gehirn, 2020). Als Menschen zu Sippen und Gruppen zusammenkamen, wird man, bedingt durch die Evolution und dem Grundbedürfnis nach Ordnung erkannt haben, das man nur unter gewissen Umständen mit Regeln gut zurechtkommen kann. Unter diesen spekulativen Umständen wird sich eine durch Frauen organisierte Form innerhalb von Sippen entwickelt haben. Wie Göttner-Abendroth darstellt, hatten sich Regeln entwickelt nach denen ausgewählt und selektiert wurden, wer sich mit wem zu verbinden hatte. Diese Zeit der matrizentrischen Ordnung ging bis ca. 3000 v. Chr. 

Wenn man diverse Regeln, Organisation und Evolutionsgeschichte betrachtet, dann scheint es so als gäbe es diese matrizentrische Formen noch immer. Sie werden aber durch ein patrizentrisches Weltbild stark überlagert und nahezu unkenntlich gemacht, verdrängt. Aus der entwickelten matrizentrischen Organisationsform muss sich dann die Notwendigkeit einer weiteren Organisationsform gezeigt haben, die sich seit ca. 3000 v.Chr. als patrizentrisches Weltbild herausentwickelt zu haben scheint.

Patrizentrik und Matrizentrik sind zwei verschiedene Paradigmen. Das Wort Arche, bei Matriarchat und Patriarchat entstammt der Bedeutung eines Neuanfangs. Das Matriarchat beschreibt die weibliche Erbfolge, das Patriarchat die männliche Erbfolge. Dennoch sind beide nicht vergleichbar organisiert. Das Patriarchat basiert auf der rein biologischen Vererbung durch das männliche Geschlecht. Die Vererbung durch das weibliche Geschlecht hat Regeln nach denen die Heirat und nachkommen innerhalb von Sippen und Clans geregelt sind. In früheren Zeiten wurden Grundlagen wie bsw. die Religion als autoritäre Instanz eingesetzt.

Macht


Macht ist maximal differenziert und sehr dynamisch. Denn jedes einzelne Bedürfnis, das sich durch den Verlauf der Zeit ergibt, ist einer Mächtigkeit unterworfen. Maslow beschreibt diese Bedürfnisse in seiner berühmten Bedürfnispyramide und nimmt im einzelnen auch Bezug auf verschiedene Ordnungsstufen. Byung-Chul Han beschreibt Kommunikation als essenziellen Bestandteil der Macht. Ob verbal oder nonverbal, unabhängig vom Wesen der Kommunikation wird Macht darüber hinaus auch mittels Erotik übertragen. In matrizentrischen Paradigmen haben Frauen die Männer nach bestimmten Kriterien ausgewählt. Zum einen nach pro-sozialen Verhaltensmustern, zum anderen sollten Männer später die Aufgabe haben die Entscheidungen aus der matrizentrischen Organisation zwischen den Familien zu vermitteln. Zeitweise, so ist es zu entnehmen, haben Frauen Männer nach erotischen Ritualen in die Sippe gezogen. Hannah Arendt hat deutlich gemacht, das eine Gruppe von Menschen einer Person Macht zuspricht. Menschen projizieren ihre Bedürfnisse auf einen Menschen, den sie aus ihrer Mitte dazu erkoren haben. Gewöhnlich wird ein Mensch erwählt, dem man das Zutrauen schenkt geordnete Zustände herstellen zu können. Einem Menschen, dem Autorität übertragen wurde und der in der Lage ist in eine Gruppe von Menschen Ordnung zu bringen, Strukturen aufzubauen. Würde aus dieser Gruppe aber ein Mensch heraustreten, so würde sich die Macht in einer Führungsperson um diesen Machtanspruch verringern und ebenso vermehren, wenn sich eine weitere Person hinzugesellt. Macht unter Menschen entsteht Kraft des Zusammentreffens mindestens zweier Personen. Ungeordnete Strukturen sind daher machtlos, geordnete befinden sich in einem dynamischen Ordnungsprozess. Hannah Arendt bewirbt in Macht und Gewalt deutlich, das jemand der Gewalt anwenden muss bereits Macht verloren hat und die Gewalt als letzten Ausweg begreift. Trotzdem hat es Hannah Arendt verstanden der Gewalt eine Sinnhaftigkeit zusprechen zu können. Denn sie sah Gewalt in einer strukturierten, organisierten und zeitlich geordneten Schematik als eine Art Geburtshelfer. Etwas das einer Notwendigkeit auf den Weg hilft, die es alleine kaum mehr schaffen kann. Auf die matrizentrische Kultur betrachtet war Gewalt weder erforderlich noch erwünscht wie es scheint. Erst mit der Erfindung der Metallverarbeitung schien auch das Patriarchat seine Evolution herauszubilden.

Kit der Gesellschaft


An anderer Stelle habe ich bereits dargestellt, das ein Zusammenhalt von Gesellschaft durch ein gedachtes Bild, dessen was wir selbst sind, entstehen kann. Die Besonderheit des göttlichen Glaubens positioniert Menschen in Menschengruppen in einer dynamischen Ordnung bei der eine Harmonie zwischen Menschen entstehen kann. Bewegt man einen Finger sind zwangsläufig die anderen Finger involviert. Die Hand agiert, später oder früher der Arm mit. Diese Art von Bewegung nennt man Interneuronale Kommunikation, weil die Steuerung der Gliedmassen mit dem Gehirn neuronal verbunden ist und agiert. Kann man eine Gruppe von Menschen dazu bringen etwas einheitliches zu betrachten, kann auf diese Weise eine Gruppendynamik entstehen, bei der jedes Individuum seinen Platz hat. Beim studieren der Forschungsarbeiten von Göttner-Abendroth kann man jetzt feststellen, das Frauen, in diesem Fall die matrizentrischen Organisationsformen der Kit zwischen den Individuen sind. Sie halten, führen Menschen zusammen, die zusammen gehören, die nebeneinander den Platz finden und damit ihren Platz in der Gesellschaft finden. Sie führen die Menschen hin zu einem sakralen Weltbild. Wie Heide Göttner-Abendroth es deutlich gemacht hat, sind Frauen sakral. Sie haben sich über Millionen von Jahren an die Evolution angepasst. Auch die Darstellungen frühzeitlicher Mythologien machen es deutlich. Sakral bedeutet Heiligung und lässt eine Gottheit erkennen, oder wie es die Bibel häufig beschreibt, die Geheimnisse Gottes erkennen zu dürfen.


Religion und Gemeinschaft

Gott habe dem Menschen eine Art Strafe auferlegt, weil dieser sich ein Bild von Gott gemacht habe. So beschreibt es G.F.W. Hegel und er sieht weiter in der Sinnhaftigkeit von Religionen den Zusammenhalt der Gemeinschaft unter bestimmten Regeln. Autorität kommt aus Hegels Sicht deshalb zustande, weil man Gott als die maximale Unendlichkeit erkennt. Gläubige Menschen werden Glauben, das er ist, weil sich bei den Gläubigen ähnliche und vergleichende Phänomene Eröffnen, die später in einer Gemeinschaft ihre ganze Wirkung entfalten. Ein jeder findet seinen Platz dort wo dieser sein soll – Sinnhaftigkeit des Lebens.

Durch ein voranschreitendes Leben kommt eine Dynamik zustande, die es erfordert, dass die Religion über das eigene Dasein hinaus eine ständige Ordnungskorrektur erforderlich macht. Ganz abgesehen davon, dass es das Ziel des jeweiligen Menschen sein muss sich selbst und seinen Platz in einer Gemeinschaft erkennen zu können und diesen auch zu erkämpfen. Nicht erkämpfen im Sinne von Rivalität, sondern der heraus Entwicklung der eigenen inneren Struktur. Meine Erfahrung macht mir deutlich, nicht Menschen entscheiden sich dafür das sie gläubig sind oder nicht, sondern Gott führt den Menschen zum Glauben und zum Aufbau einer Gemeinschaft hin. Menschen werden sich frei zu Gott hinwenden, weil dies das Leben in sich trägt. Ein Gott voller Liebe widerstrebt keinem menschlichem Willen. In der Wechselwirkung verlangen Menschen nach Frieden, wenn es Kriege gibt, sie verlangen nach Kriegen, wenn es Frieden gibt.

Die Anmaßung endlichen Denkens, endlichen Geistes ruft ein Schreckbild Gottes hervor so Hegel weiter. In dieser Darstellung finden wir offensichtlich die Begründung für ein strafendes Gottesbild. Der Mensch darf sich demnach nicht darüber ermächtigen zu beurteilen was moralisch für Richtung und falsch zu halten ist. Sich kein Bild von Gott machen zu dürfen hat die Bedeutung nicht an irgendwelchen eingegebenen Paradigmen festzuhalten. Da dies aber ein sehr essenzielles Problem im Fortschrittsgedanken ist, gab es nicht nur den symbolischen Tod von Jesus, der am Kreuz starb und in symbolischer Weise nach dem Tod weiterleben konnte. Denn auch der Vater aller Väter – Abraham sollte seinen Sohn opfern. Aus Liebe aber war dieser unfähig einem „Gottesbild“ das er hatte, seinen Sohn zu opfern. Gott sollte später das Ritual bestätigen, in dem dieser mit Abraham einen Bund schloss. Abraham sollte seinen Sohn nicht töten und erlangte durch seine Opferbereitschaft vor Gott ein neues Gottesbild. Vieles deutet darauf hin das der Zeitpunkt um Jesu Geburt eine globale Geburt einer weiteren Organisationsform war. Die Bibel beschreibt eine Phase geistiger Geburt. Genauso wie es heute Menschen erleben, die sich paaren und innerhalb kommender neun Monate den Nachwuchs herbeisehnen.

Was wir in der Welt sehen ist, wie Aristoteles es einmal so genial formulierte, lange zuvor in den Köpfen der Menschen herangereift. Entscheidungen die in einer real greifbaren Welt entstehen sind Ausdruck unseres Denkens, unserer Entscheidungen. Ist die Zeit reif, verbinden diese sich mit einer real sichtbaren Welt wo die Gedanken von allen Sichtbar und damit Nackt werden. Im Philo-Sophias 1×1 Frauen denken anders belegen Marit Rullmann und Werner Schlegel dass es das Phänomen der Geburt, aufopferndes Leben, Tod und Wiedergeboren zu werden, das Werden und Vergehen nachweislich auch bei Frauen gab. Dieses Prozedere gibt es daher beim Manne wie bei der Frau. Anders Indset hat Dogmatismus als eines der größten Probleme unserer modernen Zeit beschrieben. Denn das zu Erwartende beschleunigende Verhalten der Evolution ist für manches fortschrittliche Wachstum etwas scheinbar gutes während andere Menschen aus unterschiedlichen Motivationen an ihrem Leben zu erkalten scheinen.

Die Bibel sagt, wer sein Leben behalten will, der wird es verlieren, wer sein Leben für mich aufgibt wird neues erlangen, und die Schätze im Himmel werden größer sein als alles Bisherige. Wie Eingangs bereits dargestellt beschreibt dies den evolutionären Zeitpunkt der Multiplikation. Das mehrere Phänomene so betrachtet plötzlich zeitgleich erscheinen. Wer an einem Gottesbild, an einem Götzenbild festhält, kann diese Entwicklung nicht oder nur schwer erkennen. Dennoch ist diese Vorhanden und der Mensch fühlt sich zunehmend mit der Entwicklung unter einem Druck der, wenn überhaupt wohl nur schwer abzubauen ist. Die Grosse Transformation in der Welt, wird darin bestehen, das die Entwicklung eines männlichen Geschlechts lernen wird dem aus Sicht der Ordnung nachfolgenden zu dienen. Frau und Kind. Die Heldenfigur, eine Mischung weiblichen und männlicher Organisationsformen, wie wir später sehen werden, wird die Welt für die Familie, für die Menschen erkämpfen. Im Gegensatz dazu leben wir noch heute in einer Welt von Herrschaftssystem, Unterdrückung und Gewaltexzessen was sehr deutlich zeigt wie intensiv wir in einer Zeit eines patriarchalen Systems stehen, dem die Machtlosigkeit deutlich abzulesen ist und das sich nur noch mit Gewalt zu helfen weis, so scheint es. Wenn die amtierende deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel immer wieder davon sprach dem Land, den Menschen dienen zu wollen, dann konnte man den Gedanken des Dienens daran deutlich erkennen das sie nach einer gewissen Zeit des Wartens und aus Sicht vieler, zu lange mit Entscheidungen auf sich warten ließ.

Es ist diese Zeit, die notwendig ist zu erkennen, zu empfangen welche Reaktion ein Volk erwartet und welche Antworten ein Staat, vertreten durch die Regierung in der Lage ist zu antworten. An anderer Stelle stehen Politiker, die nicht vom dienen sprechen, sondern vom Führen. Sie wollen das Land führen. Sie greifen dabei auf ihre eigenen Ideologien zurück und das Volk muss glauben, so funktioniert es. Man darf sicher frei unterstellen, hier handelt es sich um patriarchale Denkmuster. Entscheidungen trifft man nach einer Reife. Wenn alle Organe gemeinsam eine Zeit erreicht haben und reif genug sind diese Entscheidungen mitzutragen. Genauso wie die Frucht eines Baumes an deren Ende Zeit der Verkostung steht. Wir sind darauf angewiesen im Glauben abzuwarten bis die einzelnen Evolutionen ihre Reife erreicht habe und zu einer Zeit zusammen kommen, in der wir im Glauben auch bereit sind, zu empfangen. Dann werden wir auch einen Frieden darin finden wie wir in unseren Gesellschaften gegenseitig miteinander umgehen.

Quelle

Evolution und Wachstum, 2021
http://de.gate-communications.com/ein-kontext-fuer-eine-egalitaere-gesellschaftsordnung/

Kunzmann, Peter; Burkard, Franz-Peter; DTV-Atlas Philosophie, DTV Verlag, 2023.

Hupe, Lukas; Die versteckte Kraft des Wachstums; Studie 2026
http://de.gate-communications.com/die-versteckte-kraft-des-wachstums/

Polechová J.; Wie Arten bei Anpassung an Grenzen stoßen, Studie 2026
http://de.gate-communications.com/wie-arten-bei-anpassung-an-grenzen-stossen/

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, „Wenn Gott nicht wäre….“ Religion und Versöhnung, Reclam Verlag, 2020

Byung-Chul Han, Was ist Macht? Reclam Verlag, 2019

Heide Göttner-Abendroth, Die Göttin und ihr Heros, Kohlhammer Verlag, 2011 Erweiterte Neuausgabe

Heide Göttner-Abendroth, Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft, Drachen Verlag, 2008

Heide Göttner-Abendroth, Das Matriarchat I, 4. Auflage, Kohlhammer Verlag, 2010

Carl Gustav Jung, Archetypen; Aufgerufen 11.01.2021 https://gedankenportal.de/magazin/archetypen-nach-carl-gustav-jung.html https://gedankenwelt.de/die-12-archetypen-nach-carl-gustav-jung/

Carl Gustav Jung, Archetypen, Urbilder und Wirkungskräfte des kollektiven Unbewussten, Hrsg. Lorenz Jung

Henning Beck, Das neue Lernen heißt Verstehen, Ullstein Verlag, 3. Auflage 2020

Dominik Veken, Der Sinn des Unternehmens, Murmann Publishers, 1. Auflage 2015

Lucy hatte ein affenähnliches Gehirn, 2020
http://de.gate-communications.com/lucy-hatte-ein-affenaehnliches-gehirn/

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