Buch Beziehungen-Vernetzungen-Konflikte von Christine Fertig und Margareth Lanzinger, 2016

Beziehungstransformationen

„Der Komplexität von Beziehungsgefügen entsprechend rückten in den letzten Jahren Netzwerke und damit zugleich Verwandtschaftsnetzwerke verstärkt ins Blickfeld. Dies ging nicht zuletzt mit neuen technischen Möglichkeiten einher, Relationen, Beziehungsdichten und Konstellationen mit Netzwerkprogrammen rechnen und graphisch darstellen können.“

(Aus: „Beziehungen-Vernetzungen-Konflikte“ von Christine Fertig und Margareth Lanzinger, 2016) 

Damit ist gemeint, das vorzugsweise durch social media Aktivitäten, Querverbindungen zu klassischen Verwandschaftsbeziehungen entstanden sind.

Die Welt ist durch Internet und Kommunikationsplattformen in einer Weise vernetz, die es erlaubt weit entfernte Menschen und Kulturen zu verbinden. Bei social networking arbeiten Computer mit Datenbanken, Relationalen Datenbanken. Relationale Datenbanken meint in der einfachsten Weise – wenn von mir zwei, drei oder mehr Eigenschaften, Vorlieben, Dinge, die ich tue, bekannt gemacht werden, so sucht die Datenbank nach Menschen mit gleichen. Ähnlichen oder ergänzenden Beziehungen bzw. Menschen. Auf diese Weise werden Menschen neu miteinander vernetzt und verbunden. Die Kultivierung und damit der Umgang mit diesen Netzwerken benötigt viel Zeit, viele Jahre bis sich moderne Kommunikationsformen und Möglichkeiten zeigen.

Dennoch bedeutet der obere Abschnitt aus dem Buch „Beziehungen-Vernetzungen-Konflikte“ von Christine Fertig und Margareth Lanzinger das ein transformativer Prozess von klassischen Beziehungen hin zu modernen Beziehungen entstehen. Das Buch weist in Beziehungsrelationen seit dem 13. Jhd., die systematisch untersucht wurden Veränderungen nach. Erst die Analyse dieser Beziehungen vor dem Kontext einer Beziehungsverschiebung wie sie durch die Netzwerkentwicklungen passieren überführt, bzw. man muss sagen, transformiert die Beziehungsgefüge von der klassischen Herkunft aus Blutsverwandtschaften hin zu Verwandtschaftsbeziehungen die auf eine neue Basis gestellt werden. Der vielleicht interessanteste Ansatz besteht darin, dass es noch viele Menschen gibt, vor allem aus älteren Generationen die sich die Großfamilien wieder zurückwünschen, und wir jetzt offensichtlich in eine neue Zeit kommen, die diese Formen von Großfamilien tatsächlich wieder begünstigen. Wesentlicher Unterschied, moderne „Familien“ haben nicht mehr die Blutsverwandtschaft als Grundlage, sondern eben Relationen. Ich weise hier auf egalitäre Gesellschaftsformen hin, die eindeutig eine höhere Friedfertigkeit in sich tragen. Wenn diese Zeit gekommen ist, wird man sich kaum mehr vorstellen können, wie eine fast schon Inzestiöse (Ein Ausdruck von Erich Fromm) Gesellschaftsform durch die Blutsverwandtschaft möglich war.

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