Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut in Jena, Deutschland, und der University of Tennessee Health Science Center, Memphis, USA, hat neue Erkenntnisse zum gesunden Altern des Gehirns gewonnen. Die Forschenden fanden heraus, dass das Altern – ähnlich wie beim Menschen – zu einer Anhäufung defekter Energiemoleküle im Gehirn alternder Mäuse führt. Die verantwortliche Gensequenz konnte identifiziert werden. Zudem lagen keine Hinweise darauf vor, dass diese Anreicherung die Gehirnfunktion beeinträchtigte. Das zeigt, dass alternsbedingte Veränderungen des Gehirns nicht zwangsläufig gesundheitsschädlich sein müssen.
Jena/Memphis, 4. Februar 2026. – Das Leben ist nicht vorbei nur weil man älter wird. Im Grunde ist genau das Gegenteil der Fall. Mit dem Alter bekommt menschliche Reife eine grosse und Umfangreiche Bedeutung! Und weil die Lebensumstände, die Entwicklung des Lebens, seine Evolution auch biochemisch auf das Gehirn wirken, spielt die Art und Weise wie gelebt wird, eine zentrale Rolle. Kaum anzunehmen das irgendein Mensch sich freiwillig dem Umstand aussetzen wollen würde, die letzten 10 oder 20 Jahre seines Lebens erhebliche gesundheitliche Einschränkungen akzeptieren zu wollen. Die Gehirnforschung, Neurowissenschaften bieten hier viel Aufklärungsarbeit! Weiterhin hat man seit jüngster Zeit festgestellt, das man Fluide und Kristalline Intelligenz unterscheidet, was dahingehend interessant ist und bedeutet, das Intelligenz im Alter anders gedeutet sein muss als in jungen Jahren (Vgl. Kristalline und Fluide Intelligenz).
Das ein Gehirn überhaupt altert ist durch mindestens drei Umstände begleitet, vielmehr begünstigt:
– In Endlichkeit zu denken bildet eine Begrenzung der Vorstellung von Lern- und Leistungsfähigkeit, und greift damit zurück auf die dadurch verursachte eigene Willensfähigkeit zu glauben, die Dinge würden die eigene Zeit nicht überstehen. Der Umgang mit dem Lernen in früheren Zeiten hat die Lust auf Lernen ausserdem nicht gerade begünstigt. Häufig wurde man bestraft. Unlust führt zu Entscheidungen sich einfacheren Herausforderungen zu stellen. Man hat der Verurteilung glauben geschenkt man könne nicht mehr. Und das unter Menschen die im Grunde alle die gleiche Chance und Voraussetzung gehabt hätten.
– Die bisherige Lebensweise begünstigt den Wunsch in eine Rentenzeit gehen zu wollen. Abgesehen von Fragen der Finanzierung, diese basiert darauf, das Arbeit bisher hart ist und war, man sich ein Leben lang abschuften und abrackern musste. Die bevorstehende Zeit bietet hier ganz neue Möglichkeiten und Ansätze und wird daher auch die innere Haltung von Menschen, in Bezug auf die Fragestellung, was den Lebensqualität bedeutet, neu definieren. Man denke nur an die ersten Versuche mit Exoskeletten wenn es darum geht, schwere Lasten zu heben. Es muss noch nicht einmal eine tiefgründige Philosophie oder auch Reflektion erfolgen, durchdacht werden. Die gewöhnliche Fluktuation führt dazu das sich Psyche modernen Formen zügig anpassen. Wenn keine körperlichen Lasten mehr da sind, muss die Lust auf eine Tagesstruktur, durch Arbeit dann wirklich schwinden?
– Wenn aller Wunsch erfüllt ist, dann gibt es keine essentiellen Wünsche mehr, keinen echten Antrieb sein Leben für etwas, für die Gesellschaft aufzuopfern. Der Wohlstand bringt es mit sich, das ich jeden Wunsch hier und heute, unmittelbar befriedigen kann. Ausgeprägter Charakter und Eigenschaften geben Menschen die Schönheit die es nach innen und aussen benötigt. Eigenschaften die Durchhaltevermögen, Ausdauer, Durchsetzungsfähigkeit, belastbar sein ermöglichen können, fallen mit jeder Einschränkung an Leidensfähigkeit weg. Sobald der Wunsch nach Familie, Haus, Hof und Garten erfüllt sind, fallen Bemühen des Menschen weg, sich gemeinschaftlich aufopfern zu wollen. Der Wunsch ein Lebenswerk zu erschaffen fällt weg, die Karriere, vielleicht auch weil ein Haus bezahlt werden muss, schließt die Fähigkeit ab, die Lebensqualität in den letzten 10-20 Jahren eines Lebens aufrechterhalten zu können. Arbeit und leben ist materialistischen Wünschen meist untergeordnet. Aus dem geht der Antrieb hervor, sich möglichst nur um sich selbst und dem an was die persönliche Vorstellung davon, was Liebe bedeutet, an was die eigene Liebe hängt aufzuopfern. Der gesellschaftliche Gedanke aber steht dem weit zurück.
All diese Umstände begünstigen die Alterung und schwindende Fähigkeit des Gehirns sich dauerhaft einer kontinuierlichen Leistung unterziehen zu wollen. Lust empfinden und aufgeschlossen sein wollend. Diese Haltung ist natürlich, in weiten Teilen auch individuell bedingt, durch den soziologischen Hintergrund sehr unterschiedlich. Der Blick aber auf die Gesellschaft zeigt eine klare und eindeutige Sprache. Es dürften die wenigsten Menschen sein, die sich einem Mainstream entziehen können und wollen, was sich aber absehbar verändern müsste. Das individuelle wird wohl zwangsläufig in den Mittelpunkt rücken müssen, den in der oder durch die Künstliche Intelligenz begegnen wir uns individuell selbst.
Die zukünftige Entwicklung begünstigt also vor allem die Möglichkeit die Lebensqualität bis in ein Hohes Alter aufrecht zu erhalten. Welche Voraussetzungen das schon in jungen Jahren bis hin zu einer durchaus höheren Lebenszeit mit sich bringt, das eröffnet sich zunehmend durch Erkenntnisse der Hirnforschung, und dem Wettbewerb des Menschen mit der Künstlichen Intelligenz.
Schicksal und Chance geben sich hier die Klinke in die Hand. Energie ist nicht nur eine Frage davon wie wir uns mit Fahrzeugen bewegen, Häuser oder Infrastrukturen versorgen. Auch das Gehirn bildet mit der Notwendigkeit, mit Energie versorgt werden zu müssen, einen erheblichen Teil von Ressourcen, die zu berücksichtigen sein müssen. Ein wachsendes Gehirn verdichtet sich, vernetzt sich, wird zwangsläufig intelligenter. Zeit und Ressouren sparen, auch durch die Frage von Wohnen, Standort und Jobauswahl! Jeder Störeinfluss, jeder Zwang, jede Reibung kostet erhebliche Energie. So hat bereits Abraham Maslow einmal beschrieben, der beste Umstand ist der reibungsloser Abläufe (Vgl. Motivation und Persönlichkeit). Sieht man von der Fähigkeit ab, das Leidensfähigkeit ein überlebenswichtiges Charakteristikum bedeutet. Alles was heute klar zu sein scheint, schadet auch häufig dem Gehirn, gerade dann wenn es um das Wachstum der Intelligenz geht und darum das einem Gehirn mehr abverlangt werden kann, weil es dazu in der Lage ist. Und genau das benötigt Zeit und Energie!
In einer jetzt in Cell Systems veröffentlichten Studie untersuchte ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Dennis de Bakker vom Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz Lipmann Institut (FLI) in Jena und Prof. Robert W. Williams von der University of Tennessee Health Science Center, Memphis, USA, wie sich Astrozyten, spezialisierte Stützzellen im Gehirn, während des Alternsprozesses verändern. Diese Zellen umgeben die Nervenzellen, versorgen diese mit Nährstoffen, regulieren deren Umgebung und spielen eine Schlüsselrolle beim Energiestoffwechsel des Gehirns.
Astrozyten fungieren auch als Energiespeicher, denn sie können Energie in Form von Glykogen speichern, einem schnell verfügbaren Zuckervorrat, der bei Bedarf, beispielsweise wenn Nervenzellen besonders aktiv sind, rasch freigesetzt werden kann. Typischerweise ist Glykogen ein Molekül mit mehreren zusätzlichen Molekülketten, auch Verzweigungen genannt, die für seine Funktion wichtig sind. Mit zunehmendem Alter kommt es jedoch häufiger zu wenig verzweigten Glykogenmolekülen, die schwerer abbaubar sind und stattdessen als Klumpen gespeichert werden, die auch als Polyglucosankörper (polyglucosan bodies, PGBs) bezeichnet werden. Diese ungewöhnlichen Strukturen können im gesamten Gehirn auftreten, kommen jedoch besonders häufig im Hippocampus vor, einer Region des Gehirns, die für das Lernen und Gedächtnis besonders wichtig ist.
Alternde Gehirnzellen verändern ihre Energiespeicherung. Die Forschenden konnten zeigen, dass sich bei alten Mäusen in den Astrozyten des Hippocampus vermehrt wenig verzweigtes Glykogen ansammelt. Allerdings nicht gleichmäßig verteilt, sondern in ungewohnt klumpigen Strukturen, sogenannten PGBs. Entsprechend dem genetischem Hintergrund der Mäuse treten diese PGBs mit unterschiedlicher Häufigkeit auf.
„Wir konnten beobachten, dass manche Tiere mit zunehmendem Alter besonders viele dieser Glykogenaggregate bildeten, während andere fast gar keine aufwiesen“, erklärt Dr. de Bakker, Forschungsgruppenleiter am FLI. „Alleine die genetischen Unterschiede reichten aus, um diesen Effekt um ein Vielfaches zu verstärken.“
Durch den Vergleich zahlreicher genetisch definierter Mauslinien kamen die Forschenden zu einem klaren Ergebnis: Ein bestimmter Abschnitt im Erbgut der Mäuse, auf dem Chromosom 1, beeinflusst maßgeblich, wie sich im Alter der Energiespeicher in den Astrozyten verändert. Dieser bestimmte Abschnitt (Gen-Lokus) wirkt wie eine Art Schalter, der das Ausmaß der Belastung durch PGBs (Polyglucosankörper) bestimmt. Interessant ist, dass nicht die Nervenzellen selbst davon betroffen sind, sondern ausschließlich ihr unterstützendes Umfeld. Da Astrozyten für den Gehirn-Stoffwechsel unverzichtbar sind, wurden Veränderungen in ihnen oft als Warnsignal für eine spätere Erkrankung interpretiert.
„Lange Zeit ging man davon aus, dass derartige Ablagerungen im Gehirn ein Anzeichen für den beginnenden Funktionsverlust oder eine nahende Erkrankung sind“, erläutert Prof. Williams, Co-Leiter der Studie. „Unsere Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass das nicht zwangsläufig der Fall sein muss.“
Keine messbaren Auswirkungen auf Gedächtnis und kognitive Funktionen
Das vielleicht überraschendste Ergebnis der Studie ist, dass selbst stark ausgeprägte PGBs-Ansammlungen keine messbaren Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit der Tiere hatten, sind sich die Co-Erstautoren Alicia Gómez-Pascual und Dow M. Glikman einig. In einer Reihe von Verhaltenstests zu Gedächtnis, Lernfähigkeit und räumlicher Orientierung erzielten die Mäuse mit vielen Aggregaten vergleichbare Ergebnisse wie Tiere ohne PGBs. Das deutet darauf hin, dass die beobachteten, zellulären Veränderungen Teil des normalen, genetisch-bedingten Alternsprozesses sind und nicht zwangsläufig pathologisch.
„Altern bedeutet Veränderung, aber nicht jede Veränderung im Alter ist auch automatisch schädlich“, erklärt Dr. de Bakker, ebenso Co-Leiter der Studie. „Unsere Daten zeigen, dass das Gehirn überraschend robust und widerstandsfähig gegenüber bestimmten biochemischen Veränderungen ist.“
Relevanz für die Alterns- und Demenzforschung
„Diese Studie ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie mit der Zeit experimentelle Daten durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit an Wert gewinnen können. Die Originaldaten wurden bereits vor fast 30 Jahren von Prof. Mathias Jucker, heute ein führender Alzheimer-Forscher an der Universität Tübingen, während seiner Zeit am National Institute on Aging, USA, generiert. Dr. Rupert Overall von der Humboldt-Universität zu Berlin hat die Untersuchung dieser Daten wiederbelebt und ein Team von Nachwuchsforschenden zusammengestellt, denen es gelungen ist, wichtige Kandidaten-Gene zu identifizieren, die zu den Unterschieden in der Anzahl der Polyglucosan-Aggregate in den Astrozyten des Hippocampus beitragen. Die Herausforderung besteht nun darin, diese gewonnenen Erkenntnisse in neue Therapeutika umzusetzen, die sowohl den normalen alternsbedingten kognitiven Verfall als auch die weitaus schwerwiegenderen Krankheiten bekämpfen, die das Gedächtnis und die Funktionen des Gehirns beeinträchtigen“, fasst Prof. Williams zusammen.
Die Studie hilft dabei, alternsbedingte Veränderungen im Gehirn neu einzuordnen, denn in der Alterns- und Demenzforschung ist es wichtig, präzise zu unterscheiden, ob die Veränderungen tatsächlich zu einer Erkrankung beitragen oder lediglich eine Begleiterscheinung des normalen Alternsprozesses sind.
„Langfristig könnten unsere neuen Erkenntnisse dazu beitragen, Fehlinterpretationen von alternsbedingten Veränderungen zu vermeiden und sich stärker auf diejenigen Mechanismen zu konzentrieren, die die Gehirnfunktion tatsächlich beeinträchtigen. Dieses grundlegende Verständnis, welche Veränderungen harmlos sind und welche nicht, sollte es ermöglichen, gezielter nach den wirklich problematischen Prozessen zu suchen“, so das Forschungsteam.
Originalpublikation:
The Smarcal1-Usp37 locus modulates glycogen aggregation in astrocytes of the aged hippocampus. Alicia Gómez-Pascual*, Dow M. Glikman*, Hui Xin Ng*, James E. Tomkins*, Lu Lu, Ying Xu, David G. Ashbrook, Catherine Kaczorowski, Gerd Kempermann, John Killmar, Khyobeni Mozhui, Oliver Ohlenschläger, Rudolf Aebersold, Donald K. Ingram, Evan G. Williams, Mathias Jucker, Rupert W. Overall, Robert W. Williams#, Dennis E.M. de Bakker#. Cell Systems 2026, 101488, doi.org/10.1016/j.cels.2025.101488.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2405471225003217
Hintergrundinformation
Das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI) in Jena ist eine von Bund und dem Freistaat Thüringen gemeinsam finanzierte Forschungseinrichtung in der Leibniz-Gemeinschaft. Am FLI wird international sichtbare Spitzenforschung zur Biologie des Alterns auf molekularer, zellulärer und systemischer Ebene betrieben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus rund 40 Ländern erforschen die Mechanismen des Alterns, um dessen Ursachen besser zu verstehen und Grundlagen für Strategien zu schaffen, die gesundes Altern fördern. Weitere Informationen: http://www.leibniz-fli.de.
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 eigenständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften.
Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen – in Form der Leibniz-Wissenschafts-Campi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Die Leibniz-Institute unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 21.400 Personen, darunter 12.170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Finanzvolumen liegt bei 2,3 Milliarden Euro. (http://www.leibniz-gemeinschaft.de).
Die University of Tennessee Health Science Center (UTHSC) ist eine renommierte Universität für Gesundheitswissenschaften im US-Bundesstaat Tennessee mit Standorten in Memphis, Knoxville, Chattanooga und Nashville. Die Abteilung für Genetik, Genomik und Informatik am Campus in Memphis ist ein bedeutendes Zentrum für Systemgenetik und Sitz von GeneNetwork.org – dem ältesten Online-Dienst im Bereich der biomedizinischen Forschung (Januar 1994), der im Rahmen des Projekts intensiv genutzt wurde.
Weitere Informationen: http://www.uthsc.edu/
Weitere Infos
Fluide und Kristalline Intelligenz
https://youtube.com/shorts/Fse6m9Kr55M?si=5D3I5oxIsJq9uwh3
Wer wenig an Merkfähigkeit verliert, gewinnt auch viel an Wissen, 2022
http://de.gate-communications.com/wer-wenig-an-merkfaehigkeit-verliert-gewinnt-auch-viel-an-wissen/
Bildquelle
Im Gehirn alter Mäuse lagert sich Glykogen in den Astrozyten des Hippocampus an. Diese Ablagerungen treten mit unterschiedlicher Häufigkeit auf und sind genetisch gesteuert, beeinträchtigen aber weder die Lern- noch Gedächtnisleistung. Copyright: (Bild: FLI / Kerstin Wagner; erstellt mit ChatGPT)



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