Ein Film nach dem Roman von Robert Seethaler der in den österreichischen Alpen, vorzugsweise in Matrei in Osttirol das Leben um vor gut 100 Jahren spielt, beschreibt und darstellt. Der Film zeigt das einfache Leben eines Hilfsarbeiters in den Alpen von der Aufnahme und dem Werden als Waisenjunge bis hin zu seinem Vergehen im hochbetagten Alter. Die harte, vielleicht lebensfeindliche Bergwelt der Alpen spiegelt damit die Härte eines ganzen Lebens wieder, das evolutionär zwangsläufig von Jahr zu Jahr, Jahrzehnt zu Jahrzehnt, Jahrhundert zu Jahrhundert sensibler wird. Ein guter Grund sich immer wieder an vergangenem zurückzubesinnen. Vielleicht im Sinne von „Re-Ligio“ – alias Rückbindung. 2023 als Kinofilm präsentiert, seit kurzem im ORF abrufbar.
Besonders beeindruckend ist der Vergleich, heute in der Realität zu leben und damit wie Menschen vor gut einhundert Jahren in den Häusern lebten, die man heute noch in Teilen so stehen sehen kann. Denkt man sich aus heutiger Zeit moderne Elemente und Design wie Strassen, Fahrzeuge, Strom, moderne und aufwändige Unterkünfte, Verkehrsschilder oder moderne Infrastrukturen weg, dann ist der Blick auf ein archaisches Weltbild gegeben, das eine Art Stillstand der Zeit zu symbolisieren versucht, wie der Schauspieler Andreas Lust es in Worte zu fassen sich bemüht.
Wertvolle Momente des Lebens, der Fluss des Lebens bettet sich ein inmitten einer scheinbar stillen und schweigenden Welt. Es scheint der Mensch zu sein, der das Weltbild formt, im Gestalt gibt, es zu designen versucht, darin wächst und zergeht, es bebaut und beackert – im wahrsten Sinne des Wortes.
Man muss annehmen das der Fortschritt in den vergangenen Jahrhunderten auf eine eigene Art und Weise in einem Jahrhundert genauso zügig vonstattenging. Weil wir aber in diesem Jahrhundert leben und lebten, unser Bewusstsein in diesem Zeitgeist dominiert, ist der Fortschritt im Film von den Anfängen her betrachtet, beeindruckend deutlich gemacht.
Die Besonderheiten der Alpen zeigen die herausragende Härte der Arbeit, des Arbeitsaufwandes, der zu betreiben war. Eine ebensolche Besonderheit bringen die Gefahren der Alpen mit sich, die durch die Schicksale deutlich werden. Brachiale Natur und eine schier kaum überwindbare Bergwelt machen in Zeiten eisiger Winter demütig, Schönheit und Blütenpracht in den Sommermonaten und ihren Unwettern über das Jahr verteilt gottesfürchtig.
Am Ende des Films fährt der Hauptdarsteller mit dem Bus den Berg hoch und spiegelt irgendwo damit die Leichtigkeit eines Lebens im hochbetagten Alter wider, dem eine züchtigende, schier untragbare Härte vorausging. Dem Leben eine Form gebend, in allem Werden und Vergehen an dessen Ende der beackerte Berg des Lebens einfach zu überwinden zu sein scheint.
Da ist die Zeit, dinge die man nicht wusste und erst mit der Erfahrung zu lernen hat. Die aber auch jeden Menschen irgendwo auf seine Weise treffen können. Wiederum sind es die speziellen Gefahren der Alpen, die dem herkömmlichen Leben ein weiteres Schicksalshaftes obenauf setzen. So sind es Lawinenabgänge, arbeiten am Berg, steiles Gelände, eisige Kälten, wenig Geld, wenig Möglichkeiten in den Bergdörfern erworbenes auszugeben. Der Moment einer feinen Berührung der Menschen untereinander, die durch das harte Leben erstarrt sind, kann schon eine ganze Liebe bedeuten und ein ganzes Leben füllen.
Ein Film der das Bewusstsein in eine Realität bringt wie sie vor gut 100 Jahren stattfand. Ein Film der nicht nur zum Reflektieren über das Leben selbst einlädt, sondern der durch das Reflektieren des Lebens deutlich werden lässt, wie vergänglich die Dinge des Lebens sind.
In der modernen Zeit stehen sich jetzt Menschen gegenüber die durch das rasante Wachstum über diese 100 Jahre ein Leben durchlebt haben und auf völlig unterschiedliche Dimensionen treffen. Es muss bei einem solchen Anblick deutlich werden, was es im Leben für einzelne zu respektieren gilt. In der Realität sind die Übergänge fließend. Doch schon die übernächste Generation ist ein Meilenstein von der ursprünglichen entfernt und kann sich schon oft nicht mehr in diese Umstände einfinden, eindenken. Die vorausgegangene Generation buhlt darum, um im Fortschritt mitschwimmen zu können.
Um wieviel mehr ist in allen Generationen eine tolerante Haltung erforderlich. Das Reflektieren woher die Dinge kommen, das respektieren, dass der Fortschritt keinen Halt macht. Und das wir in all dem unsere eigene Zeit finden können und dürfen.
Das ein jedes in der Welt seine Zeit hat, seinen Platz in der Welt, seine Berechtigung und seine Liebe zu den Dingen und Menschen könnte sich kaum deutlicher zeigen als in einem Bibelvers, der durch seinen Streifzug die Vergänglichkeit des Lebens voranschiebt.
„1 Alles hat seine bestimmte Zeit, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit. 2 Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit; Pflanzen hat seine Zeit, und Ausreißen des Gepflanzten hat seine Zeit; 3 Töten hat seine Zeit, und Heilen hat seine Zeit; Abbrechen hat seine Zeit, und Bauen hat seine Zeit; 4 Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit; Klagen hat seine Zeit, und Tanzen hat seine Zeit; 5 Steinewerfen hat seine Zeit, und Steinesammeln hat seine Zeit; Umarmen hat seine Zeit, und vom Umarmen Fernbleiben hat seine Zeit; 6 Suchen hat seine Zeit, und Verlieren hat seine Zeit; Aufbewahren hat seine Zeit, und Fortwerfen hat seine Zeit; 7 Zerreißen hat seine Zeit, und Nähen hat seine Zeit; Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit; 8 Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit; Krieg hat seine Zeit, und Frieden hat seine Zeit. Prediger 3, 1-8„
Deutsch-Österreichische Produktion 2023, nach einem Roman von Robert Seethaler
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