Der JAMESfocus-Bericht der ZHAW und Swisscom zeigt: Mädchen spüren in den sozialen Netzwerken stärkeren Druck in Bezug auf Körperbild als Jungen. Gleichzeitig steigt der Selbstwert im Verlauf der Jugendjahre an.
Winterthur/Switzerland, 5. Dezember 2025. – Die Studie zeigt einmal mehr, so wie man ist, so ist man in Ordnung und das muss man sich bei modernen Herausforderungen auch immer wieder aufs neue bewusst werden lassen. In einer prosozialen Gesellschaft besteht außerdem die Chance, den Fokus vom sozialen Netzwerk auf das reale Erleben zu ziehen und damit ein natürliches Schutzschild zu bieten. Eine jüngst erschienene Studie zeigt auch, das Menschen durchaus einen Blick für herausragende Eigenschaften bei Menschen haben (Vgl. Das Dilemma der Minderheiten in Medienberichten, 2025). Das Menschen einem hohen Maß an Kritik ausgesetzt werden, vielleicht auch verstärkt durch die sozialen Medien ist dem Phänomen einer Transformation geschuldet. Menschen ordnen sich neuen Interessengruppen zu, gehen dorthin wo mehr oder auch wo weniger Spannungsfelder herrschen, wo das eigene erwünschte Narrativ zu finden sein wird (Vgl. wie Narrative unsere Wirklichkeit prägen und wann sie an ihre Grenzen stoßen, 2025). Es ist wahrlich ein Spannungsfeld an der Grenze zum Blick auf gesellschaftliche Anerkennung das schützend wirken kann oder herausfordernd andere Wege zu gehen.
Das ein Selbstwert im Verlauf der Jugendjahre ansteigt, macht deutlich, dass die Gesellschaft offensichtlich zunehmend Resilienz entwickelt hat. Das Körperbild von Jugendlichen wird neben Familie und Peers (Interessegruppen, Interessengemeinschaften) auch von digitalen Medien beeinflusst. Dies zeigt der neue JAMESfocus-Bericht der ZHAW und Swisscom. Die Befragung von über 1100 Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren zum Thema „Soziale Netzwerke und Schönheitsideale“ zeigt: Jugendliche, die stark dem Wunsch nacheifern, dünn zu sein, haben ein signifikant niedrigeres Selbstwertgefühl. Und je stärker sich Jugendliche durch Inhalte auf sozialen Netzwerken unter Druck gesetzt fühlen, ihr Aussehen zu verändern, desto geringer ist ihr Selbstwert.
Mädchen internalisieren Schlankheitsideal deutlich stärker
Warum Mädchen anfälliger für die Identität anderer Schönheitsideal zeigt, liegt, wenn man den Forschungsstand der vergangenen 100 Jahre betrachtet in der Natur der Sache.
Wilhelm Reich (1897 – 1957) hat mit der Veröffentlichung des zweibändigen Werkes „Die Entdeckung des Orgons“ beschrieben wie sich aus dem menschlichen Geschlecht die geistige Reife entfaltet (Vgl. Reich, 2019). Aktuell auch in weiteren Studien nachgewiesen (Vgl. Der hormonelle Zyklus des Gehirns – wie Geschlecht und Gehirn zusammenwirken, 2023). Wilhelm Reichs Forschungen standen bereits in Wechselwirkung mit Sigmund Freuds Arbeiten. Seinerzeit hatte Freud gegen die Vielzahl seiner Gegner aus Arztkolleginnen und Kollegen über die damalige prüde Gesellschaft hinausgeblickt und erkannt, dass sich das, was aus einem Menschen entwickeln wird, von seinem Geschlecht abhängt (Vgl. Wie sich die Organe männlicher und weiblicher Säugetiere unterscheiden, 2023). Er sollte recht haben. Denn heute ist bewiesen, die Hormone Testosteron als auch Östrogen die Ausbildung der Geschlechter, die ihren Ursprung im Partialgeschlecht, im Geschlechtsorgan haben (Vgl. Testosteron ein männliches und weibliches Sexualhormon, 2024). Daraus würde sich entwickeln was aus einem Menschen wird. Die Beschäftigung, das Handeln, mit dem, was der Mensch tut, ist zeit seines Lebens seine Produktivität, mit dem die geschlechtliche Entwicklung ihre Spezialisierung erhält. Während Erik Erikson (1902 – 1944) zeigen konnte das diese Entwicklung durch die Organmodi vor sich gehen (siehe Lexikon/#org-modi), war Wilhelm Reich sich sicher, das viele Krankheiten, insbesondere Neurosen durch Sexualstauung entstehen würden. Ein Problem im Konflikt mit der Morallehre!
Inzwischen ist auch biologisch belegt, durch das männliche Geschlecht entwickelt sich das Informative, durch das weibliche das Sinnliche in der Welt! Das schließt die Diversität dazwischen, das Kontinuum mit ein. Die natürliche menschliche Reife entwickelt daher selbstverständlich einen Blick, das ihrem jeweiligen Geschlecht nahekommt. So könnte man in etwa beispielhaft sagen, die Kunst sei eine weibliche Produktivität, eine aus dem weiblichen Geschlecht hervorgebrachte Leistung. Weil dadurch ihr Sinn entwickelt würde. Würde im Gegenzug dieser sinnliche Aspekt beim männlichen Geschlecht dem Beispiel nach fehlen, würde ein männliches Geschlecht versuchen wollen diese Mangel in sich auszugleichen (Homöostase). Die Grundlage unserer gesellschaftlichen Bindungskraft. Eigenschaften die mir fehlen sollen und müssen durch Menschen in meinem Umfeld kompensiert werden können.
Auf diese Weise gibt es in vielerlei Hinsicht Beispiele was die Geschlechter hierbei unterscheidet. Für viele Menschen ist Diversität bis heute ein Ergebnis aus Sodom und Gomorra und daher mit der eigenen Morallehre schwer vereinbar. Doch Diversität ist keine moderne Erfindung, wurde aber aufgrund menschlicher Moral seit Urzeiten verteufelt (Vgl. Das Geschlecht des Körpers – warum unsere Organe kein einfaches männlich oder weiblich kennen, 2025). Darüber sichert dieser Umstand das menschliche Überleben!
Der Drang sich mit anderen zu identifizieren
Nun hat diese Studie diese geschlechterspezifische Unterschiede festgehalten: Mädchen haben Schlankheitsideale wesentlich stärker verinnerlicht als Jungen, heißt es da. Bei Jungen spielen muskulöse Idealbilder eine etwas größere Rolle, wobei dieser Unterschied deutlich weniger ausgeprägt ist als bei den Schlankheitsidealen der Mädchen. Während sich kein Zusammenhang zwischen der Verinnerlichung muskulöser Idealbilder und dem Selbstwert fand, zeigt sich ein klar negativer Zusammenhang mit der Verinnerlichung von Schlankheitsidealen. «Je stärker vorherrschende Schlankheitsideale verinnerlicht sind, umso niedriger ist der Selbstwert von Jugendlichen», erklärt Jael Bernath, ZHAW-Medienpsychologin und Mitautorin der Studie. Weiter sagt sie: «Möglicherweise stellen muskulöse Idealbilder für den Selbstwert eine geringere Bedrohung dar, da sie zu sportlicher Aktivität motivieren können, die möglicherweise wiederum das Wohlbefinden stärkt.»
Wie jemand Menschen wahrnimmt, hängt nicht alleine von der jeweiligen Sozialisierung ab. Wenn man es auf die grundlegendsten Bedürfnisse Psychologie und Biologie herunterbricht, dann erfolgt eine Attraktivität von Menschen auf der Basis dessen, was man als für sich selbst erfolgversprechend betrachten würde (Vgl. Spitzer, Selbstbestimmt, 2004). Letztlich will damit gesagt sein, die Orientierung in der alltäglichen Wahrnehmung bezieht die Reduzierung auf die Partnerwahl nicht ein. Eine solche Reduzierung ist ein Prozess des Unterbewussten, der sich auf die Masse des Alltags ausbreitet. Man will also gut ankommen, würde aber nicht jede oder jeden auch als Partner annehmen wollen. Ein Bedürfnis des Begehrens. Doch reduziert betrachtet spielt die zentrale Rolle die Suche nach der Partnerwahl. Und gerade an der Stelle zeigt sich sehr deutlich wie zentral wichtig ein gesundes Selbstwertgefühl ist. Menschen, die sich geliebt fühlen lassen sich deutlich weniger von der Meinung des sozialen Umfelds und dessen Bedeutung auf sich selbst beeinflussen. Allerdings ist das keine Einbahnstraße, es bleibt nicht von alleine wie es ist. Ein Selbstwertgefühl zu erhalten ist ein täglicher Kampf, steht und fällt mit der Eigenentwicklungsfähigkeit und verbindet daher die Frage, „Was mache ich aus mir“? Das bewusst machen und werden lassen von Motiv und Zielsetzung. Wie man nachfolgend sehen wird, spielt die Reife eines Menschen eine große Rolle.
Mit dem Alter steigt der Druck – aber auch der Selbstwert
Wie gegenwärtig schon die einschlägige Presse immer deutlicher darauf hinweist, die aktuelle Entwicklung erfordert eine intensivere Auseinandersetzung mit Resilienz. Auch hier zeigt sich sehr stark, dass die Fähigkeit im Umgang mit Resilienz, d.h. eine gesunde Widerstandskraft entwickeln zu können zum zentralen Grundwert im Leben gehört. Auf diese Weise sind solche Formen von Anfeindungen gegen die eigene Persönlichkeit als herausfordernde Belastungen zu begreifen. Ob man sich allerdings gegen Tücke und Algorithmen in dem Sinne schützen kann, das wird nicht etwa ausschließlich diskutiert. Vielmehr wird um Verbote sozialer Netzwerke in jungen Jahren diskutiert und in manchen Nationen bereits umgesetzt.
Inhalte auf den sozialen Netzwerken können Jugendliche in Bezug auf ihr eigenes Aussehen unter Druck setzen. Hier zeigt sich: Mädchen empfinden einen erheblich stärkeren Druck durch soziale Netzwerke, bestimmten Schönheitsidealen zu entsprechen. Dies ist möglicherweise auf die ihnen ausgespielten Inhalte zurückzuführen, welche je nach Nutzungsverhalten und algorithmischen Vorschlägen starken Fokus auf Äußerlichkeiten legen können. Auch altersspezifisch gibt es Unterschiede: 16- bis 19-Jährige fühlen sich durch soziale Netzwerke stärker unter Druck gesetzt als 12- bis 13-Jährige. Dies könnte mit der intensiveren Nutzung sozialer Netzwerke zusammenhängen – 95 Prozent der 16- bis 19-Jährigen nutzen täglich oder mehrmals täglich soziale Medien, bei den 12- bis 13-Jährigen sind es 82 Prozent. Mit einem stärker wahrgenommenen
Mit Druck durch soziale Netzwerke geht auch ein niedrigerer Selbstwert einher. «Idealisierte Inhalte innerhalb sozialer Netzwerke können sich negativ auf das eigene Körperbild und somit auf den Selbstwert auswirken», erklärt Svenja Deda-Bröchin, ZHAW-Forscherin und Mitautorin. Wenn nach einer Sitzung im sozialen Netzwerk eine prosoziale Umgebung vorhanden ist, die einem verdeutlichen kann das eine virtuelle Realität vorwiegend manipulativ ist, dann ist auch der Wunsch sich mehr mit der Wahrheit, die durch die Realität gegeben ist, auseinandersetzen zu wollen das Zugpferd, das auf natürliche Weise das virtuelle soziale Netzwerk vernachlässigen wird (Vgl. Wenn Unterschiede verbinden – Minderheiten- und Mehrheitenschulen im Forschungsblick, 2025).
Die Untersuchung zeigt weiterhin, der Selbstwert einer Person ist von vielen weiteren Faktoren abhängig. Grundsätzlich unterscheidet die Studie hier zwischen einer ausgewachsenen Reife und differenzierten Altersgruppen. Im Verlauf der Jugendjahre steigt der Selbstwert kontinuierlich an, was möglicherweise auf die erfolgreiche Bewältigung von altersspezifischen Entwicklungsaufgaben zurückzuführen ist.
Frühe Prävention ist wichtig
«Bilder und Videos in sozialen Medien sind oftmals inszeniert und stark bearbeitet. Sie transportieren unrealistische Ideale», betont Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom. Die Befunde der Studie zeigten die Wichtigkeit, so In Albon, Kinder und Jugendliche bei einem kritischen Umgang mit gesellschaftlichen Schönheitsidealen zu unterstützen und diese gemeinsam zu hinterfragen.
Da Schlankheitsideale bereits früh verinnerlicht werden, sollten Präventionsmassnahmen nicht erst im Jugendalter ansetzen. «Sprechen Sie bereits mit Kindern im Primarschulalter über Sorgen und Druck bezüglich ihres Aussehens, wenn Sie solche wahrnehmen», empfiehlt In Albon. Schönheits-ideale werden nicht nur medial vermittelt, sondern ebenso durch Erlebnisse in Peergruppen und im familiären Umfeld. Erwachsene Bezugspersonen fungieren als wichtige Vorbilder. Gregor Waller, ZHAW-Forscher und Co-Studienleiter meint: «Ein wohlwollender Umgang mit dem eigenen Körper und eine respektvolle Haltung gegenüber dem äusseren Erscheinungsbild von anderen können Jugendliche in der Entwicklung eines gesunden Körperbildes unterstützen.»
• JAMESfocus-Bericht «Soziale Netzwerke und Schönheitsideale» (PDF)
• Tipps für Eltern und Schulen (PDF)
• www.zhaw.ch/psychologie/jamesfocus
• www.swisscom.ch/james
• Selbstdarstellung im Netz: Tipps für Jugendliche | Swisscom
Nationale Studie zur Jugendmediennutzung: JAMES-Studie und JAMESfocus-Bericht
Die JAMES-Studie bildet den Medienumgang von Jugendlichen in der Schweiz ab. JAMES steht für «Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz» und wird alle zwei Jahre durchgeführt. In der repräsentativen Studie werden seit 2010 vom ZHAW Departement für Angewandte Psychologie im Auftrag von Swisscom über 1000 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz zu ihrem Medien- und Freizeitverhalten befragt.
Die JAMESfocus-Reihe nutzt die Daten der JAMES-Studie und analysiert vertieft weitere Aspekte. Die Datenerhebung für die vorliegenden Ergebnisse fand zwischen April und Juni 2024 statt.
Im Jahr 2025 sind nebst diesem Bericht bereits zwei weitere Themendossiers zur Nutzung von KI durch Jugendliche (Mai) und zur Art der Nutzung sozialer Netzwerke durch Jugendliche (Juni) erschienen.
Weitere Informationen und Quellen:
Wenn Unterschiede verbinden – Minderheiten- und Mehrheitenschulen im Forschungsblick, 2025
http://de.gate-communications.com/wenn-unterschiede-verbinden-minderheiten-und-mehrheitenschulen-im-forschungsblick/
Das Dilemma der Minderheiten in Medienberichten, 2025
https://www.psy.ruhr-uni-bochum.de/psy/aktuelles/akt00424.html.de
Das Geschlecht des Körpers – Warum unsere Organe kein einfaches männlich oder weiblich kennen
http://de.gate-communications.com/das-geschlecht-des-koerpers-warum-unsere-organe-kein-einfaches-maennlich-oder-weiblich-kennen/
wie Narrative unsere Wirklichkeit prägen und wann sie an ihre Grenzen stoßen, 2025
http://de.gate-communications.com/wie-narrative-unsere-wirklichkeit-praegen-und-wann-sie-an-ihre-grenzen-stossen/
Der hormonelle Zyklus des Gehirns – wie Geschlecht und Gehirn zusammenwirken, 2023
http://de.gate-communications.com/der-hormonelle-zyklus-des-gehirns-wie-geschlecht-und-gehirn-zusammenwirken/
Wie sich die Organe männlicher und weiblicher Säugetiere unterscheiden, 2023
http://de.gate-communications.com/wie-sich-die-organe-maennlicher-und-weiblicher-saeugetiere-unterscheiden/
Testosteron ein männliches und weibliches Sexualhormon, 2024
http://de.gate-communications.com/testosteron-ein-maennliches-und-weibliches-sexualhormon/
Spitzer, Manfred; Selbstbestimmen, Gehirnforschung und die Frage, was sollen wir tun?, 2003, Spektrum Verlag
Reich, Wilhelm; Die Entdeckung des Orgons. Die Funktion des Orgasmus. 2019, Verlag Kiwi
Bildquelle
Bildcomposing, Valentin Tikhonov, Erik Lucatero, Dayron Villaverde Pixabay
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