Niedrige Geburtenrate: Wie Zukunftssorgen Kinderwünsche prägen


In Deutschland und Europa ist die Geburtenrate auf historische Tiefstände gesunken – obwohl der Wunsch nach eigenen Kindern bei jungen Erwachsenen weiterhin hoch ist. Diese Lücke zwischen der idealen und der tatsächlichen Kinderzahl, der sogenannte „Fertility Gap“, ist mittlerweile auf 0,9 Kinder angewachsen. Frauen und Männer bekommen also aktuell im Durchschnitt fast ein Kind weniger, als es ihrer idealen Familienvorstellung entspricht. Das belegen die neuesten Zahlen des familiendemografischen Panels FReDA.

Wiesbaden/Germany, 19. August 2026. – Das BiB diskutiert das Thema in einer Videokonferenz und lädt damit zum Pressegespräch.

Spätestens dann, wenn es um die Frage der Finanzierungen von Rente geht kommt die Demoskopie ins Spiel.
Unabhängig davon bedeuten Kinder für Menschen, für Eltern Glück. Allerdings, das Motiv der Eltern, des jeweiligen Elternteils wird später das gesamte Leben des Kindes, des Menschen prägen. Hierbei spielt die spätere Chance auf Kultivierung und damit Emanzipation, aus dem Elternhaus herauszuwachsen, eine der bedeutensten Rollen. Und wer geliebt ist, sich geliebt fühlt kommt in seiner Gesellschaft meist auch gut zurecht, ist Anpassungsfähig. Wenn echter Kinderwunsch besteht, aber man ein Unwohlsein gegenüber der Zukunft verspürt, dann kann das eine positive Bedeutung haben.

Doch die Realität sieht ganz anders aus. Sind die Zeiten schlecht, gibt es weniger Nachwuchs. Sind die Zeiten gut, gibt es mehr Nachwuchs. Vor einigen Jahren äusserte sich eine ehemalige Vorsitzende einer rechtspopulistischen deutschen Partei deutlich, das sie Kinder wolle, um im Alter nicht alleine zu sein. Was für die einen normal klingt ist für andere neben einer grossen Egozentrik, vor allem Missbrauch! Dennoch ist dies kein Einzelfall.

Im besten Fall ergibt sich ein Kinderwunsch daraus, das Eltern sich mehr oder minder durch Zufall, zumindest ohne Vorsatz kennen lernen, und Liebe das Maximum bedeutet. Man kann nicht voneinander lassen. Der Nachwuchs ist dann eher ein Zufallsprodukt und hat damit das unübertreffliche Motiv für die Gestaltung des eigenen späteren Lebens. Wird ausreichend Resilienz erreichen und mit Zukunftsängsten zu wirtschaften wissen. Es entwickelt einen ausreichenden Überlebensinstinkt.

Für die einen ergibt Leben nur dann Sinn, wenn man Kinder in die Welt setzt. So zeigt es eine Studie über die Frage nach Sinnhaftigkeit. Die Studie zeigt, Eltern erleben für ihr eigenes Leben mehr Sinn wenn Kinder in die Welt gebracht werden. Die Lebenszufriedenheit, so die Studie, nimmt dabei aber nicht zwangsläufig auch zu (1). Diese Darstellung hat einen hohen Bedeutungsgrad. Denn damit wird das Leben eines Neuankömmlings in der Welt voreingestellt.

Je nach Zeitlagen kamen mehr oder weniger Kinder zur Welt. Und auch die Babyboomergeneration, die inmitten des Weltwirtschaftswunders stattgefunden hat, spricht nachweislich die eigene Sprache.

Genauso auffällig ist auch die Darstellung durch Kriege. Wenn Frauen und Kinder in Kriegen nicht nur missbraucht, sondern auch, die körperlich sehr wahrscheinlich unterlegenen, wehrlosen getötet werden, zeigt dies das andere Extrem. Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Macht, Machtmissbrauch und Sexualität. Das eine bringt nicht nur Leben und Anpassungsleistung an das Leben mit sich, überblickt man mehrere Generationen – sondern sichert auch das Überleben über Generationen hinweg. Leben wiederum ist so gestaltet, das Menschen bestenfalls Mächtig, eigenmächtig ihr Leben bestimmen können. Ihnen damit vielleicht auch viel Verantwortung übertragen werden kann. Muss man Gewalt einsetzen, dann nur, weil man bereits Macht verloren hat, wie es einmal Hannah Arendt beschrieben hatte.

Neben dem eigenen Leib und der damit verbundenen schmerzhaften Erfahrung als auch Traumatisierung bedeutet das Vorgehen gegen Kinder auch das Torpedieren der Zukunft. Diese Menschen sind dann oft ein Leben lang gebrochen, nicht zur Leistung fähig und werden öffentlich diskreditiert. Ganz abgesehen davon das Institutionen wie Krankenkassen und Versicherungen die Ursachen völlig ausser Betracht lassen, wenn es um die Chancen ginge diese Menschen später im Erwerbsleben zu inkludieren.

Lady Gaga hat vor einigen Jahren einmal beteuert keine Kinder zu wünschen, die in einer solchen Atmosphäre aufwachsen müssten. Wenn man Jung ist und sich das Leben erst gestaltet, und von einem Klimawandel gesprochen wird, der das Potenzial hat, das Leben wie man es jetzt kennt bis auf ein Minimum zu reduzieren, dann ist zu erwarten das solche Generationen keine Hoffnung auf Zukunft haben, Zukunftsängste haben können.

Zukunftsängste gab es aber auch in den Anfängen des Wohlstandes, was damit zeigt, das Zukunftsangst etwas mit der Sinnhaftigkeit des Leben zu tun hat. Erstmalig steht mit der grossen Anzahl von Krisen in der Welt und einer bevorstehenden Klimakatastrophe der Sinn der Menschheit im Fokus. Der Philosoph Richard David Precht ist nicht der einzige Autor der im Hinblick auf die Künstliche Intelligenz über die Sinnhaftigkeit des Menschen diskutiert (2).

Wann immer sich eine Zeit dem Ende neigt, und eine neue folgt, wird daran erkennbar das Schlüsselfragen des Lebens aufgedeckt und geklärt werden können. An vielen Stellen, gerade durch die Forschung wird das sichtbar. Wenn Schlüsselbedürfnisse befriedigt werden, Menschen keinen Fixierungspunkt haben an dem sich existenzielle Fragen reiben, dann offenbaren sich die Lösungen für eine Zeit nach Problemen. Denn wenn ein Bedürfnisse befriedigt sind, dann eröffnen sich viele neue in einer ausdifferenzierten Weise. Diese damit einhergehende wachsende Komplexität ist das was Menschen so sehr Angst macht, das sich Gesellschaft so sehr spaltet. Heute aber brauchen wir offensichtlich die KI um dieser Komplexität Herr zu werden. „Kaum ist ein Wunsch erfüllt, schon macht er tausend Jung“ – Wilhelm Busch!

Nun geht ein Policy Brief des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) den Ursachen für eine Korrelation, für einen Zusammenhang von Zukunftsangst und Kinderwunsch, dieser Entwicklung nach. Warum bleiben Kinderwünsche häufig unerfüllt? Welchen Einfluss haben globale Krisen und Zukunftssorgen auf die Familienplanung? Und welche Bedeutung haben regionale Lebensbedingungen wie Wohnraum, wirtschaftliche Perspektiven oder Infrastruktur für die Entscheidung, eine Familie zu gründen?

Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der aktuelle Policy Brief des BiB, den das BiB im Rahmen eines Pressegesprächs vorstellen möchte. Dazu lädt das BiB via Videokonferenz ein:

Mittwoch, 2. September 2026, 10:00 Uhr via Videokonferenz

Anmeldungen bitte per Mail an presse@bib.bund.de

Es sprechen zu Ihnen:
Prof. Dr. Martin Bujard, stellv. Direktor des BiB
Dr. Miriam Trübner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BiB

Über die Teilnahme freut sich das BiB.

Info

1 Eltern sind nicht zufriedener, aber empfinden mehr Lebenssinn, 2025
http://de.gate-communications.com/eltern-sind-nicht-zufriedener-aber-empfinden-mehr-lebenssinn/

2 Precht, Richard David; Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens; 4. Auflage, 2020, Wilhelm Goldmann Verlag München

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