Wie haben sich die ideologischen Strömungen der „Tech Right“ gebildet, und wie ist es ihren Protagonisten gelungen, mit extremistischen und antidemokratischen Ideen gesellschaftlich und politisch Einfluss zu nehmen? In einem neuen Projekt an der Universität Oldenburg untersucht das Forschungsteam die Wurzeln und dynamische Entwicklung der Bewegung im digitalen Raum.
Oldenburg/Germany, 3. August 2026. – Das sich die grossen Probleme einer neuen Zeit nur noch unter Mitwirkung gesellschaftlichen Engagements und Künstlicher Intelligenz bewerkstelligen lassen kann, das zeigt ein Ansatz zu einem neuen Forschungsprojekt. Die VolkswagenStiftung möchte mit der Förderinitiative „Aufbruch – Neue Forschungsräume für die Geistes- und Kulturwissenschaften“ kreativen, wagemutigen und neugierigen WissenschaftlerInnen die Möglichkeit geben, mit unkonventionellen Ideen und unorthodoxen Fragestellungen neuen experimentellen Lösungen zur Bewältigung grosser globaler Schwierigkeiten zu begegnen.
Ein Team um die Philosophin Prof. Dr. Anna-Verena Nosthoff und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Marius Sältzer von der Universität Oldenburg erforschen, wie sich ein antiliberales und techno-optimistisches Weltbild von Investoren aus dem Silicon Valley der USA und deren Einfluss auf die Politik entwickeln konnte.
Das Forscherteam will ermitteln wie sich die wichtigsten ideologischen Strömungen gebildet haben, die sich oft als „Tech Right“ oder „Technofaschisten“ bezeichnen. Wenn man einer Wahrheit möglichst konsequent folgt, dann bleiben die Theorien in aller Regel bis zum Ende der Phase schlüssig. Denn jede Anschauung ist über ihre Zeit und Komplexität nicht bis ins Detail vorhersagbar, noch sind viele Theorien in diesen Anschauungen selbst kalkulierbar.
Bei der Verbreitung solcher Ideologien durch diese Investoren tauchen im Verlauf der Zeit zunehmend Widersprüchlichkeiten auf. So als gäbe es einen Schutz vor dem Einfluss einzelner Menschen ganze Systeme beherrschen zu wollen, was sich auch durch die Definition von Macht bestätigt. Danach zerbrechen Systeme daran das ihre Macht dafür nicht mehr ausreichend ist, wie der Philosophiewissenschaftler Byung Chul Han dies einmal zeigen konnte. Die Ansichten sind extremistisch und antidemokratisch. Dennoch wird versucht das Weltbild in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken, Normalisierungen zu erreichen.
Frei nach dem Motto, was man in anderen zu sehen meint, ist meist das was man in sich selbst wahrnimmt. Genährt von fundamentalen Ideologienspendern, wächst in den Menschen die Idee von Weltbildern heran und bestätigt sich durch die Vielzahl an Menschen, die diese Technologien gerne in Anspruch nehmen. Immerhin scheinen die Technologien das Leben zu erleichtern. Ursprung und moralische Ansprüche bleiben Aussen vor.
Damit offenbaren sich diese Menschen meist selbst in dem, was sie dem Rest der Gesellschaft zum Vorwurf machen, sofern die Herkunft ihrer Ideen nicht alleine die eigene Überzeugung ist. Das Motiv dieser Ideen trägt meist die Frucht in Menschen in einer Mischung aus Macht und Gier. Während ihre Produkte und Ideen sich in der Welt verwirklichen, transformiert sich in ihnen die Überzeugung das die Investitionen richtig waren. Je mehr Menschen dem folgen desto stärker entwickelt sich ein Gefühl von Macht und Gier. Ein Kreislauf der erst dadurch unterbrochen werden kann, in dem er nicht mehr Umsetzbar wird, die Masse der Menschen nicht mehr erreichen kann. Einzelne Menschen der Gesellschaft, in der Gesellschaft nehmen war, das die Ideologien auf lange Sicht zwar Nachteilig für das eigene Leben sind. Können deren Ursprung aber nicht nachvollziehen. Es fehlen Möglichkeiten für das Wahrnehmen kausaler Zusammenhänge als auch die Fähigkeit ausreichend selbstzureflektieren. Daher zerbrechen Systeme weil die Macht nicht im Detail durchsetzbar wird. Dennoch bleiben die bis dahin erreichten Schäden enorm.
Das Team der Forschung will mit einer neuen Methode versuchen das Motiv, den Ursprung dieser Ideologien zu ermitteln. Hier zeigt sich auch sehr deutlich, warum es Künstliche Intelligenz benötigt um die grossen und Komplexen Themen der modernen Zeit bewältigen zu können.
Die Forschung kombiniert dafür verschiedene Herangehensweisen, etwa aus politischer Theorie, Ideologietheorie und empirischen Sozialwissenschaften. „Diese komplexen Denkbewegungen unterlaufen teils herkömmliche ideologische Verortungen und sind hochdynamisch. Sie stellen die Ideologieforschung vor Herausforderungen, deshalb wählen wir einen multiperspektivischen Ansatz“, erklärt Nosthoff, Juniorprofessorin für Ethik der Digitalisierung am Institut für Philosophie sowie Ko-Direktorin des in Berlin und Oldenburg angesiedelten Critical Data Lab.
Um aufzuzeigen, wie sich die Tech-Ideologien in digitalen Räumen verbreitet haben, planen die Oldenburger Forschenden etwa, große Textmengen aus Onlinemedien wie Reddit, 4chan, Telegram oder X teilautomatisch mit Hilfe von KI-Sprachmodellen und parallel über interpretative theoretische Methoden zu analysieren. „Da Online-Textquellen Kommentare, Zitate und Links enthalten, können wir durch diesen Ansatz Netzwerkstrukturen und ideologische Querverbindungen aufdecken“, erklärt Sältzer, Juniorprofessor für digitale Sozialwissenschaften. Ziel der Forschenden ist es insbesondere, die dynamische Entwicklung der Tech-Ideologien möglichst unmittelbar nachzuvollziehen.
Die Forschenden verknüpfen theoretische Analysen mit einer empirischen Untersuchung von Onlinemedien und Onlineforen. Das Forschungsprojekt „Mapping the Ideological Online Dynamics of the Tech Right: Tracing the Evolution, Influence, and Normalization of Silicon Valley’s Neo-Reactionary Thought” wird von der VolkswagenStiftung in der Förderinitiative „Aufbruch – Neue Forschungsräume für die Geistes- und Kulturwissenschaften“ für 18 Monate mit 300.000 Euro unterstützt.
Bildquelle
Co-Projektleiterin: die Oldenburger Philosophin und Sozialtheoretikerin Prof. Dr. Anna-Verena Nosthoff. Quelle: Daniel Schmidt. Copyright: Universität Oldenburg / Daniel Schmidt
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